Antiquariat Terrahe & Oswald
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Spezialgebiete: Alte und seltene Bücher aller Gebiete; Rechtswissenschaften; Botanik; Pressendrucke


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501 Autographen. - Künstlergraphik. - Bibliophilie. -  Slevogt, Max, Maler und Graphiker (1868 - 1932). Eigenhändiger Brief mit Unterschrift und eigenhändiger Tuschzeichnung. Ohne Ort und Jahr. Quart (28 x 22 cm). 1 Seite. 2.000,--
An den Maler, Illustrator und Buchgestalter Rolf von Hoerschelmann (1885 - 1947) mit Gruß, Dank und einer Bitte: "[...] Ihr Indianerüberfall ist Ihnen glänzend gelungen. Das ist ein interessanter u. schöner Wurf u. die beigelegte Arbeit von Ihnen macht mir große Freude. Wenn Sie ein überzähliges Exemplar eines "Ihrer" illustrierten Bücher mir [...] dedizieren wollten, würde meine illustr. Abenteurerbibliothek lachen [...]. - Die Tuschzeichnung zeigt ein zeltartig aufgeschlagenes Buch, auf dessen Rücken und Deckel sich drei Indianer tummeln. Augenscheinlich greifen sie einen Mann an, der aus dem "Zeltinneren" hervorlugt und erschreckt der Gefahr entgegensieht. - Zustand: Knickspuren von einer dreifachen Faltung; Handschrift stellenweise leicht verblaßt; an den Rändern vereinzelt gestaucht.

 

502 Bibliophilie. - Graphik. - Gastronomie. -  Chadel, J. Les cent Bibliophiles. Menu [Menükarte]. 1920. Farbholzschnitt in den Farben Gelb, Braun, Hellbraun, Blaugrau und Rot mit Silberauflage. Probedruck auf Japanbütten vor der (dann jeweils eingedruckten) Schrift. Am linken oberen Rand im Stock signiert. 16,4 x 27,5 cm. Blattgröße 17,8 x 30,2 cm. 350,--
Seltenes Zeugnis der abendlichen Zusammenkünfte der französischen Bibliophilengesellschaft "Les cent Bibliophiles". - Vgl. Predeaux S. 163. - "Les cent Bibliophiles" waren eine exklusive Vereinigung von Bücherfreunden, die sich in regelmäßigen Abständen trafen und kostbar ausgestattete Bücher herausgaben. Nach ihrer Vorstellung sollten Text und Bild eine künstlerische Einheit bilden; sie konzentrierten sich vorwiegend auf die Veröffentlichung symbolistischer Texte, die von zeitgenössischen Künstlern illustriert wurden. Um die Exklusivität der Bücher zu wahren, wurden die Druckplatten nach ihrer Verwendung zerstört. - Sehr schönes Exemplar.

 

503 Curiosa. -  Knigge, L[udwig] von. Die Kunst mit Männern glücklich zu seyn und sich derselben Liebe und Achtung zu erwerben und zu erhalten. Ein Geschenk für Bräute und junge Weiber. Neue Auflage. Berlin, ohne Verlagsangabe, 1810. Duodez. 1 ungez. Bl., 1 unpag. S., S. 4 - 52. Broschur der Zeit (alt-rosé). 150,--
Kleiner Leitfaden für Ehefrauen, in dem sich das Rollenverständnis des Biedermeier bereits ankündigt. - Vgl. Hayn/Gotendorf III, 590 (Ausgabe um 1805 bei Joachim, Lpz.; dass. 1850 - beide Ausg. mit leicht verändertem Titel); vgl. Weller, Lex. Pseud., S. 298; Rassmann S. 229. - In der vorliegenden Broschüre unterweist ein Bruder seine gerade vermählte Schwester im korrekten Verhalten ihrem Mann gegenüber. Die Berechtigung für seine Belehrungen stützt er auf die Annahme, daß der anfängliche Überschwang der jungen Liebe wohl kein Dauerzustand sein werde und die Befolgung gewisser Regeln seitens der Ehefrau deshalb für ein stetiges gutes Zusammenleben mit ihrem Mann  notwendig sei. Der Verfasser formuliert insgesamt 21 Lehren, die er näher ausführt. Er versieht sie mit Überschriften wie: "Halte Maaß in Deiner Zärtlichkeit gegen Deinen Mann", "Klage nie über eingebildete Kälte Deines Mannes", "Ermüde deinen Mann nicht durch unnützes Gespräch oder vielmehr Gewäsche", "Mäßige deine Laune" oder "Tadle seine Fehler nicht bitter". - Laut Hayn/Gotendorf (a.a.O.) erschien im Jahr 1819 vom selben Verfasser das Pendant: "Die Kunst, mit Weibern glücklich zu seyn und sich die Liebe ect. Ein Geschenk für heirathslustige Jünglinge und junge Männer." - Bei dem Verfassernamen handelt es sich um ein Pseudonym, das in der einschlägigen, oben zitierten Literatur nicht aufgelöst wird. - Zustand: Rückenbezug mit Fehlstellen; besonders an den Rändern knitterig; unbeschnitten; stellenweise mit kleineren Fehlstellen im Falz; durchgehend fleckig und gebräunt.

 

504 Gebrauchsgraphik. - Schattenriß. - Autographen. -  Wiener, Fritz. 14 + 2 Köpfe. Geschnitten von Fritz Wiener (= Titel auf S. 3). Ein Gruss der Landes-Gruppe Bayern des Bundes Deutscher Gebrauchsgraphiker zur Bundestagung in Frankfurt am Main am 27./28. Januar 1923 (= Widmung auf S.2). München, gedruckt in der Mandruck A.-G., (1923). Quart (25,9 x 17 cm). Mit 1 Vignette als Schattenriß ("Die Bay": auf einem Löwen reitende Grazie mit Pinsel und Papier) und 16 Silhouetten. 1 ungez. Bl, Bl. 2 - 20. Original-Karton mit Deckelillustration (Schattenriß eines zeichnenden Mannes). 750,--
# 2 von 20 Exemplaren. - Insgesamt erschien das Heft "14 + 2 Köpfe" in einer Gesamtauflage von 220 Exemplaren, von denen die ersten zwanzig Nummern von jedem der durch einen Schattenriss abgebildeten 16 Künstler signiert wurden (hier vorliegend). Mit Silhouetten vertreten sind: 1.) Prof. Ludwig Hohlwein, 2.) Prof. F.H. Ehmcke, 3.) Anna Simons, 4.) Prof Dr. Emil Preetorius, 5.) Prof Julius Diez, 6.) Heinrich Jost, 7.) Max Eschle, 8.) Walenty Zietara, 9.) Ernst Heigenmooser, 10.) Julius Nitsche, 11.) Eduard Ege, 12.) Hans Pape, 13.) Josef Melhart, 14.) Tommy Pazinger, 15.) Herrmann Virl und 16.) Fritz Wiener. - Zustand:  Leicht berieben und bestoßen; minimal fleckig. Tafel mit Schattenriß von Herrman Virl mit kleinem Einriß am Außensteg.

 

505 Graphik. DDR - Arnold, Ingo. Prometheus. 1968. Holzschnitt in den Farben Braun und Orange mit dem Gedicht "Prometheus" von Volker Braun auf Büttenpapier, mittig gefaltet. Rechts unten signiert und datiert ("Ingo Arnold 68"), links unten numeriert ("32/90"). Blattgröße 42 x 29,9 cm. Mit handschriftlicher Widmung "Für das neue Jahr 1969 wünsche ich Ihnen alles Gute ! Ihr Ingo Arnold" auf der Rückseite in Bleistift. 150,--
Ausdruckstarkes Zeugnis für den in Künstlerkreisen der DDR verbreiteten Brauch des künstlerisch gestalteten Neujahrsgrußes. - Ingo Arnold, 1931 in Berlin geboren, studierte nach einer Lehre als Lithograph an der Fachschule für angewandte Kunst bevor er Dozent an der Fachschule für Werbung und Gestaltung, beide in Berlin, wurde. Seit 1970 arbeitet Arnold als freischaffender Künstler. Zahlreiche Einzelausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen dokumentieren sein umfangreiches Schaffen. - Volker Braun, 1939 in Dresden geboren, ist eine wichtige Stimme der DDR-Literatur. Obwohl zunehmend staatskritisch erhielt er 1988 den Nationalpreis 1. Klasse. Seine fortdauernde Bedeutung nach der Wiedervereinigung spiegelt sich in zahlreichen weiteren Ehrungen, unter anderem der Verleihung des Büchner-Preises im Jahre 2000, wieder. - Die Wahl des Themas der vorliegenden Graphik hat eine starke politische Aussagekraft: Prometheus Handeln wird oft als Metapher für den Willen gesehen, die Ungleichheit der Menschen zu überwinden und ihre Fesseln der Unfreiheit zu sprengen, indem ihnen Zugang zu Wissen und Fortschritt gewährt wird (siehe Priestland. Weltgeschichte des Kommunismus, S.17ff). Denn nach der griechischen Mythologie war es Prometheus, der den olympischen Göttern das Feuer stahl und den Menschen schenkte. Volker Brauns „Prometheus“ scheint ein anderer als der des Aischylos zu sein: Fortschritt ist für Braun nicht gleich Erlösung und kann bedrohlich und zerstörerisch sein. Der Mensch soll sich weiter emanzipieren und dem Feuer - also dem Fortschritt - Sinn geben. - Zustand: Stellenweise minimal knitterig.

 

506 Graphik. – DDR. - Pauly. Ch[arlotte] E[lfriede]. Ohne Titel [Sitzendes Mädchen mit Hühnern]. - Ohne Jahr. Kaltnadelradierung auf stärkerem Papier. Rechts unten signiert ("C. E. Pauly"). 8,5 x 13,3 cm. Blattgröße 15 x 21 cm. Beigelegt: Aus dem orientalischen Reisetagebüchern der Malerin Charlotte E. Pauly (1886 bis 1981) nebst Lesezeichen. Eine Würdigung. Berlin (Köpenik), Katzengraben-Presse, 1996. Quer-Oktav. Mit 5 blattgroßen Abbildungen nach Bleistiftzeichnungen von Pauly. 5 Bll., S.11 - 63, 1 unpagienierte Seite. Inneliegend Lesezeichen (stärkeres Papier, gefaltet, Blattgröße 9 x 13 cm, auf der Vorderseite reproduzierte Radierung "Bild eines Fischers", auf der Rückseite Gedicht "Zum Bilde eines Fischers", links oben gelocht mit Lesebändchen). Original-Pappband mit beidseitig illustriertem Original-Umschlag. 250,--
Reizende Originalgraphik kombiniert mit einem Pressendruck, der charakteristische Auszüge des schriftstellerischen Werkes einer außergewöhnlichen Frauenpersönlichkeit wiedergibt. - Vgl. 'Kunst in der DDR', S. 152 f. - 'Farbige Graphik in der DDR', S.90 -  Charlotte Pauly (1886 - 1981) studierte zunächst Literatur, Archäologie und Kunstgeschichte in München, Breslau und Freiburg. 1915 promoviert sie in Würzburg. Ihre künstlerische Ausbildung erfuhr sie u.a. in Kunstschulen in München und Stuttgart; unter ihren Lehrern sind Otto Pankok und D. Vazquez Diaz in Madrid hervorzuheben. Während des Nationalsozialismus erhielt sie Ausstellungsverbot und wurde aus dem Künstlerverband ausgeschlossen. Bemerkenswert ist ihre große Reisefreudigkeit, von dem das vorliegende Buch Zeugnis gibt. In den dreißiger Jahren besuchte sie den Libanon, Griechenland, die Türkei, Palästina, Damaskus und Persien. Von ihrem insgesamt einjährigen Aufenthalt brachte sie zahlose Skizzen und Tagebuchaufzeichnungen mit. Nach dem Krieg lebte sie in der DDR und wirkte als freischaffende Künstlerin. In ihrem Werk spielen "weder künstlerische Programme noch die Darstellung sozialer Konflikte [...] eine Rolle. Sie ist berauscht von Einklang Mensch - Tier - Landschaft, vom einfachen So-Sein" (D. Goltzche in 'Kunst in der DDR' a.a.O.). Für die zeitliche Einordnung der vorliegenden Graphik ist es interessant zu wissen, daß sich Charlotte Pauly erst auf Anregung von Herbert Tucholsky in den fünfziger Jahren den verschiedenen Drucktechniken zuwandte und ihre Zeichnungen und malerische Studien dafür als Vorlage benutzte. - Die Katzengrabenpresse ist ein bibliophiler Kleinstverlag aus Berlin-Köpenik, dessen Anfänge bereits in den siebziger Jahren liegen und der sich der Herausgabe von kostbaren, aufwendig gestalteten und limitierten  Erstausgaben widmet. - Zustand: Originalgraphik an den Rändern etwas gebräunt. Umschlag des Buches minimal berieben und mit geringen Randläsuren.

 

507 Graphik. - DDR. -  IKARUS.  [Ausstellungsprogramm zur 100. Ausstellung der Magdeburger Klubgalerie]. Magdeburg, 1980. Lithographie auf vierfach gefaltetetem einfachem Papier (die fast mittige Illustration umfaltet, von 8 Feldern umrahmt). Rechts unten mit Bleistift signiert und datiert (Dietrich Fröhner 1980), links unten numeriert (II 136/200). Am linken Rand Legende mit Ausstellungsprogramm, rechts oben Ausstellungstitel mit Ausstellungsort und Datum, alles in reproduzierter Handschrift. Illustrationsgröße 20 x 15 cm (teilweise darüber hinausragend). Blattgröße 41,5 x 29,7 cm. 250,--
In Farbgebung und Gestaltung expressiv wirkender Leitfaden durch eine Ausstellung, die den antiken Mythos des Ikarus aus der gegenwartsbezogenen Perspektive der DDR zu begreifen versucht. - Vgl. "Ikarus" - Ausstellungskatalog zur 100. Ausstellung der Klubgalerie. -  Sechzig Künstler waren bei dieser Jubiläumsausstellung aufgefordert "das große Thema des Vorwärtsdrängenden, sich nicht ohne Rückschläge befreienden Menschen" zu thematisieren. Dabei sollte die Idee des "sich erhebenden, befreienden, auch stürzenden, gequälten, gefesselten Ikarus" als "Sinnbild, Zeitbild, Methapher und Allegorie" (siehe a.a.O.) künstlerisch umgesetzt werden. - Die erste Ausstellung der Klubgalerie Magdeburg fand 1972 statt und stellte Arbeiten von HAP Grieshaber vor.  Organisator war, wie bei der 100. Ausstellung, Jörg-Heiko Bruns. Nach ihrem Selbstverständnis wollte diese "in der Freizeit betriebene Galerie" (siehe a.a.O.) innerhalb des Kulturbundes der DDR zu diversen Themen die Arbeiten anerkannter Künster vorstellen und noch unbekannte Talente fördern. - Dietrich Fröhner (1939 - 1983), dessen vielseitiges Werk in der DDR große Anerkennung fand, arbeitete bis zu seinem frühen Tod als freischaffender Künstler in Magdeburg. Seine künstlerische Bandbreite reichte von Glasmosaiken, Wandgestaltungen für Schulen und Fabriken, über die Malerei bis hin zur Buchillustration. - Zustand: Gering gebräunt und vereinzelt leicht knitterig.

 

508 Graphik. - DDR. - Pohl, Sieghard. Exekution einer Kanone. 1972. Holzschnitt auf einfach gefaltetem japanischem Reis-Strohpapier (auf Blatt 2). Rechts unten signiert. (Auf Blatt 1: "Ist's möglich fürderhin? Gut Weihnacht nebst Neujahr!" - Holzschnitt in Rot. Signiert: "Sieghard  Edda"). 2 Blatt. 11,5 x 18 cm (Kanone). Blattgröße 15 x 23 cm. 200,--
Ein als politisches Manifest gedachter Neujahrsgruß. - Vgl. 'Kunst im Widerspruch' S. 86. - Sieghard Pohl (1925 - 1994) studierte am Institut für Kunsterziehung in Leipzig und arbeitete anschließend als Kunsterzieher und zeitweise als freischaffender Künstler. 1965 wurde er aus der DDR ausgewiesen, nachdem er zuvor wegen Anfertigung "staatsgefährdender Bilder"  mehrfach inhaftiert worden war. Seine Bilder sind zumeist eindeutig politisch motiviert: "...[er] malte und schrieb... Bilder, Zeichnungen und Worte an und gegen Gefängnismauern, gegen Demagogen und deren Schergen, gleichgültig, wessen Lager sie zugehörig waren oder sind" (Roger Loewig). - Zustand: Schönes Exemplar.

 

509 Graphik. - DDR. - Erotica. - Günther, Herta. "Edith".  1983. Radierung auf stärkerem Papier in den Farben Rot, Grau, Schwarz und Elfenbein. Rechts unten signiert und datiert; links unten numeriert (28/35) und betitelt; im unteren Plattenrand mit Prägestempel "Berliner Grafikmarkt". 13,6 x 17 cm. Blattgröße 25,5 x 35 cm. 250,--
Ein durch seine Farbigkeit - typisches 'Herta-Günther-Rot' - ausdrucksstarkes  Frauenporträt. – Vgl. Lang. Malerei und Graphik in der DDR, S. 214. - Herta Günther, 1934 in Dresden geboren, war Schülerin von Max Schwimmer und Hans Theo Richter an der Hochschule für bildende Künste in Dresden. Ihr Werk konzentriert sich, wie zahlreiche Einzelausstellungen und Retroperspektiven zeigen, auf die Darstellung von Frauen, deren vordergründige Erotik ihre Verletzlichkeit und Einsamkeit nicht verdecken kann. Sie gilt als "liebenswerte Kleinmeisterin der Farbgraphik" (Lang a.a.O.). - Zustand: Am oberen Rand ca. 5 x 1 cm großer Abrieb.

 

510 Graphik. - DDR. - Tierdarstellung. - Gürtzig, Inge. Agamen. 1981. Farbradierung in Grün auf stärkerem Papier. Rechts unten signiert und datiert; links unten betitelt. 13,5 x 11,8 cm. Blattgröße 21,2 x 29,4 cm. 65,--
Den Betrachter beinahe "schelmisch" anschauende, zum Sprung bereite Echsen, die trotz der nur mit wenigen Strichen angedeuteten Umgebung sich in der Fülle der Natur zu befinden scheinen. - Inge Gürtzig (geb. 1935) studierte an der Fachschule für angewandte Kunst in Heiligendamm, später an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee. Die Künstlerin lebt freischaffend in Berlin und illustrierte in ihrem eigenen, unverkennbaren Stil mehr als hundert Kinderbücher. - Zustand: An den Rändern gering gebräunt; unteres rechtes Eck mit schwacher Knickfalte.

 

511 Graphik. - DDR. - Höpfner, Wilhelm. Wettlauf. [Neudruck 1978]. Aquatinta auf stärkerem Papier. Rechts unten signiert: "für Wilhelm Höpfner sign: Johanna Höpfner" und datiert: "56"; links unten betitelt: "Wettlauf". Mit handschriftlicher Widmung von Johanna Höpfner auf der Rückseite: "...zur Erinnerung an die W. Höpfner Ausstellung Dez. 78". 14,2 x 10,1 cm. Blattgröße 26,8 x 19,7 cm. 180,--
Eine für Höpfner typische Kinderbuchillustration, die den in ihrem natürlichen Umfeld auftretenden Tieren teilweise menschliche Züge und Empfindungen verleiht. - Kunze, Werkverzeichnis # 374. - Wilhelm Friedrich Ernst Höpfner (1899 - 1968) studierte an der Kunstgewerbeschule Magdeburg und der staatlichen Kunstschule Berlin. Er war Mitglied der linksgerichteten Künstlervereinigung "Die Kugel". In der Zeit des Nationalsozialismus wurden einige seiner Arbeiten als entartet beschlagnahmt. Nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitete er als Lehrer und hatte verschiedene Funktionen im Deutschen Kulturbund inne. Die Bandbreite seines künstlerischen Schaffens ist enorm: "Die Fülle der Ideen  und der ihnen zugrundeliegenden Ideenmodelle..., die aus seiner Lust am Fabulieren, aus seinem Blick für das Komische, Groteske und Skurrile entspringen, aus seiner Fähigkeit, kleine und größere Dinge und Probleme der Welt mit einer ganz eigenen Sicht zu erfassen, zu werten und mit geistvoller Ironie zu gestalten, scheint unerschöpflich" (Kunze/ Schierz S.10). - Nach dem Tode des Künstlers betreute und ordnete seine Frau Johanna sein Werk. "Der Wettlauf" - eine posthume Betitelung durch die Witwe - entstand als Aquatintaradierung im Jahre 1956; vorliegendes Exemplar ist einer von 20 Neudrucken, die Johanna 1978 anfertigen ließ. - Zustand: Rechte untere Ecke etwas gestaucht; minimal fingerfleckig.

 

512.Graphik. - Erotik. - Windisch, Gerhard. "Leidenschaft" und "Neckerei". Ohne Datum. 2 Radierungen auf stärkerem Papier. Jeweils in der Platte monogrammiert 'GW', rechts unten signiert und links unten betitelt. 7,2 x 14 cm, Blattgröße 15,6 x 23.7 cm (Leidenschaft); 8 x 11 cm, 25 x 35 cm (Neckerei). 250,--
Subtile erotische Kleingraphik dieses im 20. Jahrhunderts tätigen österreichischen Graphikers und Malers. - Zustand: Gering gebräunt; Ecken und Kanten etwas bestoßen.

 

513 Graphik. - Harlekin. -  Weber, A. Paul. Ohne Titel [Betrunkener Narr]. (1964). Bleistiftzeichnung auf Zeichenpapier. Rechts unten signiert ("a. paul Weber."). Blattgröße 24 x 31,8 cm. 850,--
Eindrucksvolle Bleistiftskizze, die durch ihre klare, sichere und dynamische Strichführung das Gefühl der Melancholie auszudrücken vermag. - A. Paul Weber (1893 - 1980) ist hauptsächlich bekannt als politischer Satiriker und zeitkritischer Karikaturist. Das Motiv des Narren bzw. Hofnarren findet sich oft in seinem Werk: Weber scheint mit dem Privileg der Narrenkappe zu sympathisieren, um in die Rolle des unbequemen Mahners schlüpfen zu können. Daß dies angesichts der Zustände nicht immer leicht ist, scheint die vorliegende Graphik des in seinem Weltschmerz im Alkohohl Halt suchenden Narren zu zeigen. - Zustand: Stellenweise leicht knitterig und fleckig; rückseitig mit Resten von Klebestreifen und fachmännisch hinterlegtem, ca 4 cm langem Einriß am oberen Rand; rechte obere Ecke mit stärkerem Abrieb.

 

514 Graphik. – DDR - Harlekin. - Biniarz, Franz-Peter. Narr. 1981.  Farbholzschnitt in den Farben Grün, Schwarz und Rosé auf einfach gefaltetem Schreibpapier (2 Bll.). Unter der Darstellung betitelt, signiert und datiert. 9,7 x 13,4 cm. Blattgröße (gefaltet) 15 x 21 cm. Mit handschriftlicher Widmung "Ein frohes und gesundes Jahr 1982 Franz-Peter Biniarz" auf Blatt 2. 150,--
Expressiv wirkendes Porträt eines nachdenklichen Mannes mit Narrenkappe. - Vgl. Schirmer S. 3. - Franz Peter Biniarz (1937 - 2009) studierte Malerei und Graphik bei Bruno Konrad und Paul Petak in Dresden und Cottbus, daran schloß sich ein Studium an der Fachschule für Werbung und Gestaltung in Berlin an. Er lebte als freiberuflicher Künstler in Luckau und war seit 1996 Mitglied der Künstlergruppe 'Kopfweide'. Beeinflußt vom Expressionismus der Brücke-Künstler aus Dresden und dem Blauen Reiter aus München, aber auch von der Formensprache des Lyonel Feininger, schuf er seinen eigenen Stil, der u.a. geprägt ist durch eine "das Flächenhafte betonende Malerei" (Schirmer a.a.O.)  und eine Farbgebung und Formbildung, die stets auf genauer Naturbeobachtung beruht. - Zustand: mit leichter Knickspur am unteren rechten Eck.

 

515 Kinderbuch. - Binder, Helene. Lustiges Allerlei. Mit Erzählungen, Versen, Rätseln und Spielen. München, Theo Stroefer's Kunstverlag, o. J. [um 1890]. Oktav. Mit 31 (davon 2 ganzseitigen) farbigen Lithographien und 26 Textillustrationen nach Strichzeichnungen. 28 ungezählte Bll. Original-Halbleinen mit farbig illustriertem Vorderdeckel. 180,--
Reizendes, ganz in der Tradition des ausgehenden 19. Jahrhunderts stehendes Kinderbuch mit Versen und teils sehr detailreichen Bildern, die eine "heile Kinderwelt" vermitteln. - Klotz I, 494/1 (mit Jahresangabe 1890); zu Helene Binder siehe: Slg. Brüggemann II, S. 14, 6; LKJL IV, S. 65 f.; Köster S. 136;  zum Verlag Stroefer siehe: Bilderwelt S. 349. - Helene Binder (1855 - 1915) arbeitete ais Erzieherin und Lehrerin in Deutschland und England. Zuletzt leitete sie eine höhere Privattöchterschule in Chemnitz. Insgesamt umfaßt ihr Werk über hundert Kinderbücher. Wie beim vorliegenden Buch handelt es sich dabei zumeist "um gereimte Begleittexte für reich illustrierte, auf der Grenze zum Bilderbuch stehende Ausgaben." (sie LKJL a.a.O.). Überschriften wie "Am Strande", "Puppenmütterleins Klage" oder "Ein Streit"  zeigen den Rahmen der behandelten Themen. Dabei spiegeln Bild und Text eine "Behaglichkeit und Harmonie" wieder, die "von den bürgerlichen Käufern gern gesehen wurde" (LKJL a.a.O.). -  Wie beinahe alle Bücher von Helene Binder erschien auch "Lustiges Allerlei" im Verlag Stroefer, der 1876 in Nürnberg gegründet wurde und zeitweise auch in München beheimatet war. Die 1877 in Nürnberg gegründete Steindruckerei Ernst Nister besorgte die Herstellung des vorliegenden Werkes. Dieses schnell expandierende Unternehmen  war u.a. bekannt für seine "technisch anspruchsvolle Kinderbuchproduktion" (siehe Bilderwelt a.a.O.). - Zustand: Rückenbezug mit Einrissen; berieben und besonders an den Ecken und Kanten stärker bestoßen; fleckig und mit vereinzelten Kratzspuren. Buchblock mehrfach gebrochen; Fadenheftung gelockert; einige Lagen lose; Titelblatt mit kleinem Einriß am unteren Rand (bis in die Verlagsangabe); durchgehend leicht gebräunt und minimal fleckig.

 

516 Kinderbuch. - Dehmel, Paula und Richard Dehmel. Fitzebutze. Allerhand Schnickschnack für Kinder von Paula und Richard Dehmel. Mit Bildern von Ernst Kreidolf. Berlin u. Leipzig, Insel-Verlag bei Schuster und Loeffler, Weihnachten 1900. Quart (Ausgabe 30,6 x 23,8 cm). Illustriertes Titelblatt, 40 S. mit zahlreichen Illustrationen (davon 3 blattgroßen). Mit illustrierten Vorsätzen (vorderes fliegendes Vorsatzblatt verso mit Verlagssignet, hinteres fliegendes Vorsatzblatt verso mit Verlagsangaben). Fadengeheftet. Farbiger Original-Pappband mit farbiger Vorderdeckelillustration, hinterer Deckel mit Verlagssignet. 1500,--
Erste Ausgabe dieses seltenen Kinderbuches, das entgegen der herrschenden Konvention das Recht des Kindes in den Vordergrund stellte, eigenständige Gefühle und Wahrnehmungen außerhalb der Normen der Erwachsenenwelt ausleben zu dürfen. - Sarkowski 365; Pressler 203; Hess/Wachter B 17; Seebass II, 429 (Ausgabe 1900), 430 (Ausgabe 1901); Schweizer Bilderbuch-Illustratoren 265 (Ausgabe 1900 u. 1901), S.46 f.; Wegehaupt II, 678; Bilderwelt 511 (3. Ausgabe von 1921 mit Erwähnung der Ausgaben 1900/01); Stuckvilla I (Ausgabe 1901); Stuckvilla II, 232 (Ausgabe 1901 mit Erwähnung der Ausgaben 1900 u. 1921); LKJL I, 292,295; Ries, 659,3 ; Klotz I, 1002/2 u. 1003/2; vgl. Fitzebutze, Marbacher Kat.; R.Stark. Schaffstein Vlg. S. 32 ff.; vgl. Müller/Doderer 237 ff. - "Fitzebutze" ist der Name des Hampelmannes des kleinen Mädchens Detta. Die auf die Titelfigur bezogenen Erlebnisse rahmen in dichterischer Form die sonstigen Verse ein, die lose aneinandergefügte Abenteuer von Kindern beschreiben. In einer Verlagsanzeige wird der Fitzebutze als "eine Art neue[r] Struwwelpeter" beworben, wobei Richard Dehmel der "Verbalpädagogik mit Strafandrohung" (siehe LKJl a.a.O.) das unbekümmerte Freiheitsempfinden eines Kindes und eine selbstbewußte elterliche Autorität entgegensetzten will. ("Ich gehe seit Jahren mit der Absicht um, ein Buch für Kinder in die Welt zu setzen, das den 'Struwwelpeter' aus dem Felde schlagen soll. Also ein Buch, das sich in Vers wie Bild wirklich an kindliche Herzen und Sinne, aber mit völlig künstlerischen Wirkungsmitteln wenden soll." - aus einem Brief an R.A.Schröder vom 12.9.1899). Die beiden Autoren,  Richard (1863 - 1920) und Paula Dehmel (1862 - 1918), scheuen in Ihrem Bemühen, die "wirklichen Probleme des Kinderlebens" (siehe LKJl, S. 292) in eine dichterische Sprache zu fassen, nicht davor zurück, Kleinkindersprache als direkte Rede zu verwenden. Das von Gott als "lieber Dott" gesprochen wird, klang für Zeitgenossen neuartig und zum Teil befremdlich. Die Verse des Buches waren zuvor bereits teilweise in verstreuten Publikationen erschienen. Es war Richard Dehmels Wunsch sie in einer Ausgabe zu versammeln, um die "Abkehr von traditionellen Erziehungsbildern" und die von ihm selber als "bahnbrechend" angesehene "Altersmundart" (siehe Stark S. 28) hervozuheben. - Auch die Illustrationen Ernst Kreidolfs (1863 - 1956) weckten nicht nur Begeisterung. Beim 'Fitzebutze'  handelt es sich um das erste  Bilderbuch des Künstlers zu fremden Texten.  Die Bilder zeigen Kinder "neben anthropomorphen Pflanzen, unter Verwendung von ornamentalen Elementen, Ranken, geschwungenen Flächeneinteilungen und ähnlichem" (Lexikon Schweizer Bilderbuchillustratoren a.a.O.). Die Bildersprache Kreidolfs war neuartig, obwohl Anklänge an den floralen Jugendstil nicht zu leugnen sind. Die Darstellungsweise wirkt naiv und wurde zum Teil als karikierend und verzerrend mißverstanden. "Auch der Mut, die verschiedenartige Physiognomie und Mimik der Kinder so ehrlich und realistisch wiederzugeben, ohne jegliche Rücksicht auf das sogenannte Schöne oder gar auf Kindertümlichkeit im traditionellen Sinne" (Doderer/Müller S. 239), brachte ihm den Vorwurf der "Häßlichkeit" seiner  Illustrationen ein. - Zustand: Rücken stellenweise leicht aufgeplatzt; Kapitale mit Fehlstellen; Ecken gestaucht; stellenweise fleckig. Innen sehr guter Zustand.

Dazu: Dasselbe. Neue, verbesserte Auflage. [Fünftes bis] Fünfzehntes Tausend. Verlag von Schaffstein & Co., Köln a. Rh., Weihnachten 1901. Illustriertes Titelblatt, 2 ungez. Bll., S.5 - 38 mit zahlreichen Illustrationen, davon 3 blattgroß (diese Seiten unpaginiert), 2 ungez. Bll. Mit illustrierten Vorsätzen (jeweils verso mit Verlagssignet). Drahtgeheftet. Farbiger Original-Pappband mit Vorderdeckelillustration.

Seltene, gegenüber der im Inselverlag bei Schuster & Löffler erschienen Erstausgabe "unterschiedliche, inhaltlich und in den Abbildungen ...teilweise veränderte" 2. Auflage (siehe Stark S. 183). - Der direkte Vergleich der ersten mit der zweiten Ausgabe ermöglicht es Teile der Historie "eines der künstlerisch wichtigsten und einflußreichsten Kinderbücher des Jugendstils" (siehe Pressler S. 100) unmittelbar nachzuvollziehen. Auffällig ist der Verlagswechsel innerhalb eines Jahres, der auch in dem ausbleibenden kommerziellen Erfolg des 'Fitzebutzes' im Insel-Verlag begründet liegt. Dehmel sah die Verantwortung dafür in dem noch jungen Verlag, "in dem ein Kinderbuch Unikat war." (Stark S. 32).  Der auch noch junge Schaffstein Verlag, der auf dem Gebiete der Kinder- und Jugendliteratur sowohl  literarisch-pädagogisch als auch künstlerisch bereit war, Neuland zu betreten (siehe Stark S.13), schien diesbezüglich als eine vertriebswirksamere Alternative. – Außerdem wurde auf eine bessere Papierqualität geachtet:die Verwendung von rauhem Papier bei der Herstellung der Erstausgabe in der Druckerei Wolf in München verursachte Druckprobleme, die vor allem Kreidolf mißfielen (siehe Bilderwelt a.a.O.). – Auch inhaltlich gab es Veränderungen: Die mit "Geburtstag" betitelten Verse wurden anstelle des umstrittenen Gedichtes "Staatsereignis" mit seiner spöttischen Anspielung auf die "Reichstagswahl" und den Wähler "Onkel Wackelphal" eingefügt und die dazugehörigen Illustrationen ausgetauscht. Die Reihenfolge der Gedichte "Puhstemuhme" und "Die Reise" änderte sich; die Bilder erfuhren stellenweise behutsame Änderungen in der Farbigkeit, Größe und Darstellung und manche Bilder erhielten zusätzliche Ausschmückungen. Aber auch der Verlagswechsel und die genannten Verbesserungen bewirkten nicht den von Dehmel erhofften Verkaufserfolg vergleichbar dem des "Struwwelpeters"; erst im Jahre 1921 erschien die 3. Auflage in einer Höhe von 3000 Exemplaren. - Beim "Fitzebutze" kam erstmals das von Peter Behrens entworfene Verlagssignet für das Kinderbuchprogramm - ein sich in einem Quadrat befindender Papierhelm mit Federbüschen - zur Anwendung (siehe Bilderwelt a.a.O.) - Zustand: Rücken, besonders an den Kapitalen, mit größeren Fehlstellen und Einrissen; Ecken ebenfalls mit Fehlstellen im Bezug; berieben, bestoßen und fleckig. Vorderes fliegendes Vorsatzpapier am unteren Rand mit Ausriss (2 x 3,5 cm); Vorsatzpapier im Innengelenk an den Enden mit kleinen Fehlstellen; Buchblock zwischen S. 14 u. 15 leicht angebrochen, Drahtheftung rostig.

 

517 Kinderbuch. -  Dehmel, Paula. Rumpumpel. Ein Buch für junge Muetter und ihre Kleinsten von Paula Dehmel mit Bildern von Karl Hofer. 3tes bis 5tes Tausend. Köln, Hermann und Friedrich Schaffstein, o.J. (1919). Quer-Quart. Illustriertes Titelblatt, S. 3 - 45, 1 ungezählte Seite mit zusammen 15 ganzseitig kolorierten, teils goldgehöhten Bildern; schablonenkoloriertes Vorsatzpapier, auf der Innenseite mit je einer kleinen kolorierten Illustration. Original-Pappband mit illustrierten Deckeln. 1600,--
"Eines der ungewöhnlichsten Kinderbücher aus der Zeit um 1900" (Müller/ Doderer), das sowohl durch seine leuchtende Farbenfreudigkeit und expressive Darstellung als auch durch seine künstlerische Kinderpoesie beeindruckt. Sehr selten - Villa Stuck II, 212 (Erste Ausgabe 1903; für vorliegende Ausgabe: "Nachweislich erschien das 3.-5. Tsd. 1919 als Pappband"; Angaben für die weiteren Ausgaben: " ... 6.-7. Tsd. um 1922,...das 8.-9. Tsd. 1929 als Halbleinenband."); Klotz I, 1002/14 (Ausgaben 1903, 3.-5. Tsd. [1919]; 8.-9. Tsd. [1929]);  vgl. Slg. Brüggeman I, 159 (Ausgabe 1922, 6.-7. Tsd.); Bilderwelt 513 (4. Ausgabe 1929, 8.-9. Tsd.; "Nach Verlagsunterlagen ist eine zweite Auflage 1907, eine dritte 1917 [1919 ?] erschienen."); Villa Stuck I, 379 (o.J.); Ries 596 (Ausgaben "Schaffstein 1903; Schaffstein² 1907");  Stark S.184 (Erstausgabe 1903; Folgeauflagen 1907, 1921 [6.-7. Tausend] und 1929 [8.-9. Tausend]; LKJl I, 292, 551; Doderer/ Müller 250 f.; Köster 48. - Im vorliegenden Werk sind Gedichte, die kleine Begebenheiten von 'Rumpumpel', aber auch andere Geschichten aus einer Traum- und Phantasiewelt beschreiben, verbunden mit Illustrationen, die sich an die naive Ausdrucksfähigkeit eines Kindes anlehnen, diese aber in eine künstlerische Formensprache umzuwandeln verstehen. Die Verse Paula Dehmels und die Bilder Karl Hofers offenbaren "die innere Kongruenz zwischen der Dichterin und dem Maler" (Müller/ Doderer a.a.O.). Dabei vermeidet Hofer allerdings eine allzu "wörtliche" Wiedergabe der Dichtung, so "daß das Kind mit seiner alles bewegenden Phantasie den Spielraum der Verse - je nach eigenem Vermögen -  so weit wie möglich selbst auszuschreiten vermag." (Slg. Brüggemann a.a.O.). - Die Kinderbuchautorin Paula Dehmel (1862 - 1918) schrieb vorwiegend Gedichte, aber auch Märchen und Erzählungen. Sie war zeitweise verheiratet mit Richard Dehmel und ihr Salon bildete über viele Jahre den Mittelpunkt eines Künstlerkreises, in dem Erstlingswerke bekannter Schriftsteller sowie Texte des Frühexpressionismus diskutiert wurden. Die Verse der vorliegenden Sammlung - so das Urteil eines Kritikers - "sind wundervoll der Sprache der Mutter abgelauscht" und darin, so sein weitergehendes Urteil, scheint die Dichterin "keine Vorgänger zu haben." (siehe auch Stark S. 43). - Karl Hofer (1878 - 1955), der als ein bedeutender Vertreter des Expressionismus bzw. des expressiven Realismus gilt, war "in seiner Frühzeit auch [Kinderbuch-]Illustrator, eine Rolle, die der Künstler später völlig übergeht". In einem Brief an seinen Schweizer Mäzen Theodor Reinhart schreibt er: "Ich hoffe stark auf den Erfolg der Kinderbücher, obgleich mir dies eigentlich ein fremdes Gebiet ist."  Nach 'Rumpumpel' beteiligte er sich neben anderen Künstlern auch an der Ausgestaltung des bekannten Kinderbuches 'Buntscheck', das im Jahre 1904 von Richard Dehmel herausgegeben wurde. Auffallend ist die wunderbare Farbigkeit seiner hier vorliegenden Bilder. Dies wurde durch die Methode des Schablonierens erreicht, wobei die Farben in Aquarell aufgetragen wurden (siehe Stark S. 42). - Der Kölner Verlag Schaffstein gilt als einer der "führende[n] und an Initiativen reichste[n] deutsche[n] Kinderbuchverlag[e] der Jugendstilperiode". (Bilderwelt S.354). Die genaue Datierung des vorliegenden Werkes ist umstritten. Während manche Bibliographen ein Erscheinen der Ausgabe  "3. bis 5. Tausend" für das Jahr 1919 annehmen (s.o.), dürfte als Erscheinungsjahr eher 1907 zutreffend sein (siehe Stark S.184). Unterstützt wird diese Auffassung durch die Verlagsangabe "Hermann und Friedrich Schaffstein" auf dem Titelblatt; diese Firmierung galt von Ende 1905 bis 1913 (siehe Bilderwelt S. 354). - Zustand: Rücken bis auf Teile des Gazestreifens fehlend; berieben, bestoßen und stellenweise fleckig; Deckel minimal aufgebogen. Buckblock gebrochen; Vorsätze und viele Seiten lose (aber vollständig); stellenweise leicht fleckig und minimal knittrig; zwischen S. 38 und S. 39 Spuren von (nicht mehr vorhandener) rostiger Heftklammerung; vereinzelt kleine Einrisse an den Blatträndern; Illustrationen gut erhalten, in kräftigen, schönen Farben.

 

518 Kinderbuch. -  Kreidolf, Ernst. Sommervögel. Meinem Freund Albert Welti zugeeignet. Köln (Cöln am Rhein), H.&F.Schaffstein, [1908]. Quer-Quart. Mit 17 Farblithographien (inklusive Titelblatt mit Text auf der Rückseite) und illustriertem Vorsatzpapier. 11 unnumerierte  Bll. mit Text. Original Halbleinen mit farbiger Vorderdeckelillustration (dem Deckelbild ist das Wort "Märchen" hinzugefügt). 500,--
Vom Jugendstil geprägtes, naturpoetisches Bilder- und Märchenbuch, in dem Phantasie und künstlerische Ausdrucksweise "zu schlechthin vollkommener Übereinstimmung gebracht" werden (Bilderwelt), hier in der ersten Ausgabe. -  Hess/Wachter 28 A5 (führt neben der Erstausgabe auch die 2. und 3. Auflage mit ihren Bestimmungsmerkmalen auf); Seebass² 1074 (Ausgabe 1921, 6tes bis 11tes Tausend); LKJ II 255, 256; Stuckvilla I 404 (o.J); Stuckvilla II, 235 (Ausgabe 1924, 6tes bis 11tes Tausend); Slg. Hobrecker Braunschweig 4356; Klotz II, 3698/16 (Ausgabe 1908 und 1924, 6tes bis 11tes Tausend), Bilderwelt 518 (Ausgabe 1924, 6tes bis 11tes Tausend und Verweis auf die Erstausgabe 1908);  Ries 659, 11 (mit Verweis auf Hugler 181); Doderer/ Müller 242, 271 (gibt als Erscheinungsjahr 1911 an und richtet sich in der Datierung nach Kreidolfs "Lebenserinnerungen"); Dyhrenfurth (3. Aufl.), 187.; vgl. Kreidolf, Museum Neuhaus u. Badische Landesbibliothek, Vorträge 10. - Der schweizer Künstler und Autor Ernst Kreidolf (1863 - 1956) gilt als einer "der Schöpfer des modernen deutschsprachigen Bilderbuches" (Hess/Wachter S. 6). Seine umgesetzten Ideen, originell und unerwartet,  scheinen in ihrem Zusammenspiel weitgehend frei von einer Tradition zu sein (siehe Badische Landesbibliothek S. 20). Nach einer Lithographenlehre folgte eine künstlerische Ausbildung an der Gewerbeschule und danach an der Akademie der Bildenden Künste in München. Schon früh widmet er sich der systematisch betriebenen "traditionellen Naturstudie und -wiedergabe" und fand von diesem Ansatz aus zu seinen für ihn so charakteristischen "personifizierten Naturdarstellungen" (Museum Neuhaus S. 18). "Insgesamt schuf K[reidolf] 25 Bilderbücher" (LKJ a.a.O.). - Auch im vorliegenden Buch verleiht er den Insekten und Pflanzen menschliche Züge. Im Mittelpunkt stehen die Schmetterlinge. 16 kleine Märchentexte finden dabei jeweils ihre Entsprechung in einem  Bild auf der gegenüberliegenden Seite. Aus drucktechnischen Gründen folgt auf zwei gestaltete Doppelseiten eine vakate. Im Anhang finden sich neben zwei Seiten Verlagsanzeigen auch zwei Seiten mit fachlichen Erläuterungen des Verfassers zum behandelten Thema. Sie zeigen besonders deutlich "wie genau der Autor die verschiedenen Tiere, Schmetterlinge und Käfer betrachtet […] und wie er die jeweilige Handlung eines Kurzmärchens und das Gebaren einzelner Wesen ganz aus dem Natürlichen abgeleitet hat" (Doderer/ Müller a.a.O.).  Die Vorsatzpapiere kontrastieren zu den sonstigen sehr akurat mit klaren Umrissen gezeichneten Illustrationen, die sich in ihrer Farbigkeit meist auf das Wesentliche konzentrieren. Die Vorsätze dagegen sind von eigenem künstlerischem Wert. Fast nur angedeutet brechen sie mit dem Anthropomorphismus und zeigen an Grashalmen schlafende Schmetterlinge und eine Sternennacht mit Sichelmond auf dunkel- bis hellolivem Grund. - Zustand: Berieben und bestoßen, Ecken und Kanten stellenweise gestaucht. Buchblock zwischen angeklebtem vorderen Spiegel und fliegendem Vorsatzblatt gebrochen, vorderes Vorsatzblatt leicht knitterig; vereinzelt leicht fleckig.

 

519 Kinderbuch. -  Moeschlin, Elsa. Das rote Pferd. Ein Kinderbuch. Berlin, Herbert Stuffer Verlag, (1927). Quart. Mit zahlreichen, teils ganzseitigen Illustrationen.1 Bl., S.3 - 20. Original Halbleinen mit Deckelillustrationen. 200,--
Reizende, das Thema Auszug und Heimkehr variierende Bilderbuchgeschichte, deren Illustrationen, ornamental und beinahe expressionistisch anmutend, von kraftvollen Rot-, Grün- und Blautönen dominiert werden. - Bilderwelt 656; Doderer/ Müller S. 308 - 311, S. 469 #706; Klotz III, 4733/2; Schiefertafel IX, #2,  S. 61 f. - Die aus Schweden gebürtige und in der Schweiz verheiratete Elsa Sofia Hammar-Moeschlin (1879 - 1950) wählt als zentrales Bildmotiv ein mit volkstümlichen Mustern verziertes Holzpferdchen, das in Schweden ein verbreitetes Spielzeug war. Peter, sein kleiner Besitzer, belebt und füttert es, so daß „Hopphopp“ zu einem Reitpferd heranwächst und sich beide heimlich auf eine Reise begeben. "Auf die Frage, wohin es gehe oder wie lange die Reise noch dauere, erhält [der Junge] jeweils die Antwort hei-hei-heim! Und tatsächlich landen sie schließlich bei jenem alten Holzschnitzer, in dessen Werkstatt das rote Pferd entstanden ist. Weil „Hopphopp“ nicht mehr zu dem Jungen zurück will, bringt der Alte diesen allein zu seiner Mutter." (s. Müller/Doderer a.a.O.). - Nicht einem klassischen "Märchen-happy-end" (s. Müller/Doderer a.a.O,) entsprechend, verfolgt die Geschichte und vor allem der überraschende Schluß ein anderes Ziel: Dem jungen Leser sollen die Möglichkeiten aber auch die Grenzen der persönlichen Entfaltung aufzeigt werden: Die Flucht des kleinen Peter aus seiner beengten Umgebung und der Aufsicht der Mutter bringt nämlich neue, bisher unbekannte Entbehrungen und Verpflichtungen mit sich. "Die Rückkehr in die familiäre Geborgenheit bedeutet ein Stück Aufgabe der persönlichen Freiheit, die sich in der Trennung von dem wieder zu einem gewöhnlichen Holzpferd gewordenen Traumpferd symbolisiert." (s. Schiefertafel a.a.O.). -  Vom vorliegenden Buch erschien in Deutschland nur die vorliegende 1. Ausgabe von ca. 5000 Exemplaren. In den Vereinigten Staaten brachte es die Geschichte von Elsa Moeschlin immerhin auf 3 Auflagen (1929, 1930, 1944) mit geschätzten 9000 Exemplaren. - Zustand: Ecken leicht bestoßen, Deckelillustrationen minimal fleckig; vorderer Spiegel mit liebevoll illustriertem Buchhändlersignet, das gleichzeitig dem Buchbesitzer als Exlibris dienen kann ("Der Kinder allergrößter Jubel, das ist ein Buch von Hugendubel. Dies Buch gehört..."), vorderes fliegendes Vorsatzblatt mit handschriftlichem Besitzvermerk mit Datum ("1938") in Tinte.

 

520.Medizin. - "Der erste Verband nach Professor Esmarch". Dreieck-Verbandstuch aus feinem Leinen. Mit 6 aufgedruckten Männerdarstellungen in Lithographie nach Zeichnungen von (J.H.) Wittmaack. "Jetziger alleiniger Hersteller Gabriel Herose A.G. Konstanz", um 1890. 55 cm (Kathetenlänge) x 130 cm (Basislänge). 550,--
Außergewöhnliches Lehrmittel, das gleichzeitig als Verband und durch die  Illustrierung der verschiedenen praktischen Anwendungsmöglichkeiten des Tuches auch als "Gebrauchsanweisung" zu benutzen ist. - Vgl. Hirsch/H. II, 435. - Johann Friedrich August von Esmarchen (1823 - 1908) war Professor der Chirurgie. Dabei bildeten die Kriegs- und Unfallchirurgie sowie die Begründung des zivilen Samariterwesens in Deutschland Schwerpunkte seines Schaffens. Im Zusammenhang mit seinem Bemühen, die Grundlagen für eine effektivere Erste Hilfe zu schaffen, ist auch die Verbreitung des vorliegenden Anschauungsobjektes zu sehen. Die Darstellungen zeigen die praktischen Anwendungsmöglichkeiten des Dreiecktuches: 1. als Halterung für Kompressen und Verbände, 2. zur Fixierung von Ruhigstellungsmaterial wie Arm- und Beinschienen bei Frakturen oder 3. als Armtragetuch. - Zustand: Etwas knitterig.

 

521 Medizin. -  Richter, Adolph Leopold. Theoretisch-praktisches Handbuch der Lehre von den Brüchen und Verrenkungen der Knochen. 2 Bände (Text- u. Tafelband). Berlin,  Enslin, 1828. Oktav u. Quer-Folio (Tafelband). X, 758 S. (= Textband); mit 40 lithographierten Tafeln, Titel, XXXII Spalten auf 8 Blatt (= Tafelband). Halbleder der Zeit mit Rückenvergoldung, Textband zudem mit Rückenschildchen. 3200,--
Sehr seltenes, üppig illustriertes chirurgisches Handbuch. - Engelmann 461; Waller I 7959 (nur Tafelband); vgl. Hirsch/H. IV 802 f. - Adolph Leopold Richter (1798 - 1876) war Militärarzt und Oberarzt an der Charité. Sein Name ist eng verbunden mit der Reform der preußischen Militär-Sanitätsverfassung von 1868, die sich im Krieg von 1870/71 positiv auswirken konnte. Seinen ausgezeichneten Ruf verdankt er auch einer Vielzahl medizinischer Veröffentlichungen. - In dem hier vorgelegten Werk folgt er einer strengen Systematik und erläutert bei der Darstellung der jeweiligen Brüche und Verrenkungen die geschichtliche Entwicklung ihrer Behandlung. Großen Raum nehmen die von den zeitgenössischen Ärzten für sinnvoll gehaltenen Verfahrensarten ein, deren Veröffentlichungen in einen umfangreichen Fußnotenapparat eingegangen sind. Der beigefügte Tafelband soll "dem Wundarzte eine Anschauung und einen Begriff von seinen Heilmitteln und seiner Verfahrungsweise...geben." - Zustand: Mit kleineren Abblätterungen an den Gelenken; Rückenschildchen mit kleiner Fehlstelle; berieben und bestoßen. Mit Bibliotheksentleihkarte und dazugehöriger, auf dem vorderen Spiegel montierten Einstecktasche; Bibliothekszettel mit Signatur auf dem freien Vorsatzblatt und Bibliotheksstempel auf dem Titel; vereinzelt stockfleckig (= Textband). Mit diversen Fehlstellen auf dem Vorderdeckelbezug; stellenweise, besonders an den Ecken und Kanten, stärker berieben und bestoßen. Vereinzelt stock- und fingerfleckig (= Tafelband).

 

522 Musik. - Geigenlehrbuch. - Spohr, Louis. Ecole ou Méthode Pour le Violon à l'aide du Teneur de Violon, traduit de l'allemand par Mr. Heller L'Enseignement de la Musique adapté à celui de cet Instrument, un systeme complet de Doigter et des différents coups d'archet, des règles sur l'expression, sur la manière de phraser, la Ponctuation musicale, étudier le Concerte le Quatuor, suivie d'observations sur les orchestres.  3 Teile in 1 Band. Paris, Richault, o.J. (um 1840). Quart. Platten-Nr. 3097 R / 3292. Mit 3 lithographierten Tafen. Lithographierter Titel, 7 S. (Avant propos; Table des matière; Première partie), S. 8 - 167 (Deuxième partie), S. 168 - 196 (Troisième partie) - alle gestochen. Etwas späterer Halbledereinband mit geprägtem Rückentitel und leichter Verzierung in Gold sowie marmorierten Deckelbezügen. 200,--
Seltene französische Ausgabe der 'Violinschule' von Ludwig Spohr, die lange als das "gültige klassische  Unterrichtswerk" galt. - Vgl. Fetis VIII, 85; vgl. MGG XII, 1061 ff., 1063; vgl. Riemann II, 1740 f.; nicht bei Eitner, Wolffheim. - Ludwig Spohr (1784 - 1859)  hinterließ in seinem mehr als ein halbes Jahrhundert dauernden beruflichen Wirken vielfältige Spuren. Einerseits galt er als  einer der größten Geigenvirtuosen seiner Zeit. Andererseits begründete er seinen Ruhm als Komponist, wobei das Verzeichnis seines umfangreichen Werkes von Opern über eine Vielzahl von Instrumentalwerken, sowohl für Orchester als auch für Kammermusik, bis hin zu Oratorien und Ouvertüren reicht. Spohr wird zu "den Romantikern gezählt, bei denen das Impulsive die Reflexion überwiegt." Dabei steht er "aber weniger Weber, Marschner und Schuhmann als Mozart, Schubert und Mendelssohn nahe" (siehe Riemann a.a.O.). Sein beruflicher Werdegang war geprägt durch eine Vielzahl von 'Kunstreisen' als Musiker und diversen Verpflichtungen als Konzert- und Kapellmeister, wobei seine letzte Anstellung als Generalmusikdirektor in Kassel im Vordergrund steht. Ruhm erlangte Spohn aber auch als Lehrer, der "größten Einfluß auf die Technik seines Instrumentes" nahm (ADB XXXV, 239) und als Haupt einer eigenen 'Schule' von europäischem Rang angesehen wurde. Er organisierte diverse Musikfeste und trat dort als gefeierter Dirigent auf. - Die deutsche Erstausgabe des vorliegenden Werkes erschien erstmals in Wien bei Haslinger im Jahre 1832 (bei Fetis irrig '1831'). Gegenüber dieser Ausgabe ist die Übersetzung leicht gekürzt. Spohr betrachtete  seine 'Violinschule' als einen für den Lehrer bestimmten Leitfaden, der neben theoretischen Erörterungen den Praxisbezug gleich von der ersten Unterrichtsstunde an in den Vordergrund stellen sollte. Der erste Teil besteht aus sieben Kapiteln, in denen die Geige und der Geigenbogen und die Verwendung des Geigenkolophoniums vorgestellt werden. Hierzu findet der Leser eine erläuternde Tafel. Der zweite Teil gliedert sich in 13 Abschnitte. Anfangs werden neben dem Notenstudium die Grundlagen der 'Haltung der Violine und des Violinenbogens' sowie der Arm- und Fingerstellungen behandelt. Auch hierzu findet sich eine anschauliche Tafel. Nachfolgend werden die musikalischen Grundsätze und Feinheiten des Geigenspielens erläutert. Die dritte Abteilung ist in 5 Kapitel unterteilt und widmet sich dem musikalischen Vortrag im Sinne der Interpretation als auch der Darbietung. Ein Schwerpunkt bildet dabei das Musizieren sowohl im Quartett als auch im Orchester. Das ganze Werk ist mit reichen Notenbeispielen versehen. Nach Spohr sollte es den Bogen von den Anfangsgründen der Musik "bis zur letzten Ausbildung des Geigers" (Vorwort der deutschen Ausgabe 1832) spannen. - Daß der deutschen Erstausgabe vorgebundene lithographierte Porträt Spohrs fehlt dem vorliegenden Exemplar. - Zustand: Obere Ecke des Vorderdeckels fehlt; besonders die Kanten mit Fehlstellen im Bezug; stärker berieben. Fliegende Vorsatzblätter knitterig, mit Einrissen und kleineren Fehlstellen sowie vorne mit Namensstempel von Henry Marteau; Titelblatt vierfach gestempelt (davon 2 Namensstempel 'Henry Marteau' und 2 sonstige Besitzerstempel, einer mit Bleistift mehrfach durchgestrichen) sowie mit eigenhändiger Unterschrift Henry Marteaus (überdeckt von eigenem Namensstempel) in Bleistift; durchgehend wasser- (der ganze untere diagonale Bereich) und vereinzelt braunfleckig; stellenweise schwächerer Abdruck.

 

523 Plakat. - Jugendstil. - Graphik. - Sattler, Josef. Pan 1895 - 96. [Werbeplakat für den Jahrgang 1895/96 der Zeitschrift Pan]. 1895. Farblithographie in den Farben Rot, Braun, Blau und Schwarz. [Gedruckt bei Albert Frisch, Berlin.] Links unten im Stock monogrammiert und vom Künstler rechts unten handschriftlich signiert. Handschriftlich nummeriert (# 86); mit Blindprägestempel (Satyrkopf vor dem Schriftzug 'Pan' nach dem von J. Sattler entworfenen "Pan"-Signet - 3,5  x 2,4 cm) am unteren weißen Plattenrand. 25,9 x 33,3 cm. Blattgröße 33,1 x 49,4 cm. 1500,--
Eines der bekanntesten Plakate der "Art Nouveau" in Deutschland. - Vgl. Wember S. 34, 687.; vgl. Thamer S. 237 f., 209. - Die Kunst- und Literaturzeitschrift 'Pan' erschien von 1895 bis 1900 und wurde von der gleichnamigen Gesellschaft, die sich kurz zuvor konstituiert hatte, herausgegeben. Zu den Initiatoren und Redakteuren der Zeitschrift zählten Otto Julius Bierbaum und anfangs auch der Kunsthistoriker und Schriftsteller Julius Meier-Graefe. Harry Graf Kessler brachte seine Erfahrungen im Vorstand in der Redaktion ein;  weitere Mitglieder der Gesellschaft, ebenfalls mit Beiträgen und Arbeiten in der Zeitschrift vertreten, waren u.a. Richard Dehmel, Detlef von Liliencron, Max von Liebermann, Franz von Stuck, Wilhelm von Bode und Alfred Lichtwark. Neben neuen literarischen Arbeiten aller Gattungen wurden auch kunst- und literaturkritische Beiträge veröffentlicht. "Der 'Pan' sollte die erste große literarisch - bildkünstlerische Produktionszeitschrift des Kaiserreiches werden...und die verschiedenen Tendenzen der Stilkunst um 1900" widerspiegeln (Thamer S.11). Besonderen Wert legte man auf die künstlerische Ausgestaltung; vielfach wurden Originalgraphiken beigefügt. Den Namen 'Pan' entlehnte man der griechischen Mythologie. - Der Zeichner, Radierer und Illustrator Josef Sattler (1867 - 1931) orientierte sich anfangs thematisch und stilistisch an der Kunst des 16. Jahrhunderts, fand aber dann seinen eigenständigen modernen Stil. Neben seiner Tätigkeit für den Pan arbeitete er u.a. auch für den Simplizissimus und illustrierte zahlreiche Bücher, so auch die "Nibelungen". - Zustand: Leicht gebräunt; an den Rändern etwas fleckig und gering wellig. Ansonsten sehr schönes Exemplar.

 

 

524 Porzellan. - Keramik. - China. -  Gorer, Edgar and J.F.Blaker. Chinese Porcelain and Hard Stones. 2 Bände. London,  Bernhard Quaritsch, 1911. Quart. Mit 254 farbigen Tafeln (davon 3 einfach und 2 mehrfach gefaltet). 4 ungez. Blatt, S. IX - XI, 1 unpag. S., 1 ungez. Bl., S. XV - XIX, 1 unpag. S. (Titel, Widmung, Vorwort, Inhaltsangabe und Einführung in Englisch), 3 ungez. Blatt, S. XXVII - XXIX, 1 unpag. S., 1 ungez. Blatt, S. XXXIII - XXXVIII (Titel, Widmung, Vorwort, Inhaltsangabe und Einführung in Französisch), 151 ungez. Blatt (Erläuterungen zu den Tafeln 1 - 135); 9 ungez. Blatt (Titel, Widmung, Inhaltsangabe in Englisch und Französisch), 124 ungez. Blatt (Erläuterungen zu den Tafeln 136 - 254), 1 ungez. Blatt (Index der Sammlungen und Tafeln). Original Leinen mit Rückentitel und Bandzählung sowie Illustration und Titel auf dem Vorderdeckel, alles in Gold. 1.250,--
# 379 von 1000 Exemplaren des wichtigen und seltenen Referenzwerkes über chinesisches Porzellan und Keramik. - Die beiden vorliegenden Prachtbände weisen eine für den Benutzer klare Gliederung auf: nach einer allgemeinen, kurz gehaltenen Einführung in die Geschichte des chinesischen Porzellans von 206 v. Chr. bis 1796 werden die ausgewählten Kunstproben in zwölf Kategorien unterteilt, die, nach äußerlichen Kriterien festgelegt, wie folgt lauten: 1. Chinese Porcelain, Black grounds, decorated (Tafel 1 - 26), 2. Green grounds, decorated (Tafel 27 - 52), 3. Yellow grounds, decorated (Tafel 53 - 65), 4. Figures, animals and birds (Tafel 66 - 102), 5. Famille verte (Tafel 103 - 135), 6. Blue and white (Tafel 136 - 151), 7. Powder-blue (Tafel 152 - 159), 8. Single and flambé glazes (Tafel 160 - 173), 9. Three and five colour decorations of different periods (Tafel 174 - 189), 10. Aubergine and dark blue grounds with decoration (Tafel 190 - 198), 11. Famille rose (Tafel 199 - 229) and 12. Jade and other hard stones (Tafel 230 - 254). - Die Tafeln, die Einzelgegenstände oder Gruppen von Objekten abbilden,  bestechen durch ihre herrliche und exakte Farbigkeit. Dabei werden die ausgesuchten Beispiele in einem ausführlichen zweisprachigen Begleittext (in Englisch und Französisch) beschrieben, erläutert, zeitlich bestimmt und einer Sammlung zugeordnet. Ein Schwerpunkt der zusammengetragenen Anschauungsobjekte bildet die Zeit der Ming (1368 - 1644), Kang-he (1661 - 1722), Yung ching (1723 - 1736) und Kien-lung (1739 - 96) Periode. - Edgar Gorer war einer der profiliertesten Händler für chinesisches Porzellan im zu Ende gehenden neunzehnten und beginnenden zwanzigsten Jahrhundert. Zu seiner ausgewählten Kundschaft zählte u.a. John Pierpont Morgan, Henry Clay Frick oder Charles Phelps Taft. Im Jahr 1915 kam Gorer bei der Versenkung der Lusitania durch deutsche U-Boote ums Leben. - Zustand: Stellenweise etwas fleckig; vereinzelt mit Druck- und kleineren Kratzspuren; berieben und bestoßen. Buchblock leicht verzogen; Buchschnitt und Spiegel etwas stockfleckig; vordere Vorsatzblätter mit kleineren Einrissen am Außensteg.

 

525 Turcica. - Koran. - Schweizer Druck des 16. Jahrhunderts. - [1] Bibliander, Theodor. Machumetis Saracenorum principis, eius'que successorum vitae, doctrina, ac ipse Alcoran, quo velut authen[t]ico legum divinarum codice Agareni & Turcae, alijque Christo adversantes reguntur...His adiunctae sunt confutationes multoru[m]...authorum, Arabum, Graecorum, & Latinoru[m], una cum doctiss. viri Philippi Melanchthonis praemonitione...Adiuncti sunt etiam de Turcum,...ac rebus gestis, à DCCCC annis ad nostra usque tempora...Haec omnia in unum volumen redacta sunt, opera & studio Theodori Bibliandri, Ecclesiae Tigurinae ministri...,qui...Alcorani textum emendavit, & marginibus opposuit Annatationes,... 12 ungez.Bll., 227 S. - [2] Confutationes legis Mahumeticae, quam vocant Alcoranum...[Accessit] Item  Ioannis Kantakuzeni constantinopolitani regis, contra Mahometicam fidem Christiana & orthodoxa assertio... 4 ungez. Bll., 358 Spalten, 1 (w.) S. - [3] Historiae de Saracenorum sive de Turcarum origine, moribus, nequitia, religione, rebus gestis: itemque de ordinatine politiae eorundem domi & foris, & disciplina ac ordine militiae Turcicae, deque itineribus in Turciam... 1 ungez. Bl., 1 ungez. S, S. 4 -S. 235.  3 Teile in einem Band. Ohne Ort und Verlag, [Basel, Johann Oporinus], März 1550. Folio. Mit einigen Holzschnittinitialen. Schweinslederband der Zeit auf Holzdeckeln mit vier echten Bünden und blindgeprägten Rollenstempelverzierungen auf Vorder- und Rückdeckel (Vorderdeckel monogrammiert "M M A" und datiert "1565"). 2500,--
Vierte Basler Ausgabe der ersten gedruckten Koranübersetzung, verbunden mit einer "Sammlung der wichtigsten anti-islamischen Schriften des Mittelalters" (TRE Bd. 16, 342).  - VD 16, K 2586; Adams M 1890 (die dort aufgeführte Bogenzählung stimmt mit dem vorliegenden Exemplar überein); Göllner 889 (weist für Teil III folgende Kollation aus: 4 ungez. Bl, 235 S.; die jeweils zitierten Seitenanfänge stimmen aber ebenfalls mit dem vorliegenden Exemplar überein); vgl.Göllner 792/793 (Fußnote); vgl. Benzing, Luther 2766-68. -  Der Koran darf, sofern er dem Kultus dient, nicht übersetzt werden. Für die außerislamische Rezeption war die von Petrus Venerabilis initiierte und die von Robert von Ketton vorgenommene, im Jahre 1143 fertiggestellte älteste lateinische Übersetzung ein bedeutender Schritt. Die erste gedruckte Ausgabe des arabischen Koran, veranlaßt vom venetianischen Drucker Alessandro Paganini im Jahre 1537/38, galt lange als verschollen, da man davon ausging, daß die katholische Kirche die Ausgabe verbrennen ließ. Erst im Jahre 1543 erschien die erste gedruckte Koranübersetzung, deren Ausgabe von 1550 hier vorliegt. -  Dabei gliedert sich dieses Werk in drei Teile: Der erste Teil beinhaltet die Übersetzung des Korans von Theodor Bibliander, dessen Arbeit teils eine Überarbeitung der oben erwähnten Übertragungen aus dem 12. Jahrhundert darstellt, teils aber auch auf einem arabischen Originaltext basiert, der ihm in einer Basler Handschrift zur Verfügung stand. Eingeleitet wird diese Arbeit mit einer Vorrede Melanchthons. Der zweite Teil versammelt ältere Texte über den Koran und den Islam, darunter solche von Girolamo Savonarola und Nikolaus von Kues. Dazu gehört auch der aus der Feder des byzantinischen Kaisers Johannes VI. Kantakuzenos stammende Widerlegungsversuch des Islam. Teil III beginnt mit einem Widmungsbrief Luthers. Es folgt eine Kompilation diverser Schriften, die das Osmanische Reich und die Türken zum Gegenstand haben und eine Schilderung von deren Sitten und Gewohnheiten beinhalten. Hier finden sich die Namen von Autoren, die das christliche Türkenbild des 16.Jahrhunderts mitgeprägt haben, so u.a. von Capitus Septemcastrensis, Juan Luis Vives, Paolo Giovio d.Ä., Jacobo Sadolita und Papst Pius II. - Während die Koranübersetzung als eine der bedeutendsten Leistungen der frühen orientalischen Sprachwissenschaft anzusehen ist, fügen sich die beigefügten Texte zum Bild einer Zeit zusammen, die maßgeblich vom Gegensatz zum mächtigen und expandierenden Osmanischen Reich geprägt war und die Bedrohung Europas durch die osmanischen Türken im beginnenden 16. Jahrhunderts widerspiegelt.  Das vorliegende Werk blieb  "bis ins 18. Jahrhundert hinein eine wichtige Quelle für die Islamkenntnis in Europa" (TRE a.a.O.) - Theodor Bibliander (1504? - 1564) wurde 1531 Huldrych Zwinglis Nachfolger als Professor für das A.T. in Zürich. Neben der Exegese biblischer Schriften widmete er sich einer Vielzahl weiterer theologischer Themen und Fragestellungen wie z.B. der Prädestinationslehre. Im Jahre 1560 wurde er in Folge eines Lehrstreites  emeritiert. Seinen Ruf begründete er aber vor allem als Sprachgelehrter und als "Kenner sämtlicher semitischer Dialekte" (Göllner 792). Neben der hier vorliegenden Arbeit sind seine hebräische Grammatik und die Forschungen zur vergleichenden Sprachwissenschaft hervorzuheben. - Der Basler Verleger und Buchdrucker Johannes Oporinus (1507 - 1568) versuchte, um die Zensur zu umgehen, heimlich die von Bibliander besorgte Koranübersetzung zu setzten, um so "die Behörden vor ein fait accompli zu stellen" (Göllner a.a.O.). Dennoch erhielt die Stadt Basel im Jahre 1542 Kenntnis von diesem Vorhaben; der Druck wurde beschlagnahmt und Oporin verurteilt und für kurze Zeit inhaftiert. Martin Luthers Eingreifen ist es zu verdanken, daß der Satz nicht vernichtet und die bereits ausgedruckten Bogen nicht eingezogen wurden. Dabei begründete er die Notwendigkeit einer Veröffentlichung einer Koranübersetzung damit, daß "man dem Mahumet oder Turcken nichts Verdriesslicheres tun noch schaden zufügen könne, denn dass man ihren Koran bei den Christen an den Tag bringe."  Die Behörden akzeptierten schließlich seinen Vermittlungsvorschlag, den Druckort und Verleger nicht anzugeben. Im Jahr 1543 konnte so die erste gedruckte Koranübersetzung in insgesamt drei Druckvarianten erscheinen. Erst 1550 sollte die hier vorliegende vierte, teils vermehrte Ausgabe folgen. - Zustand: Rücken mit neuerem Lederbezug (an den Gelenken unter die Deckelbezüge aus Schweinsleder gezogen - wirkt etwas unschön); Deckelbezüge stellenweise stark berieben und mit Fehlstellen (besonders an den Ecken und Kanten); teils stärker fleckig und mit Spuren von Siegellack; ohne die Schließen; Holzdeckel mit kleineren Absplitterungen an den Rändern. Mit neuen Spiegeln und freien Vorsatzblättern; alte freie Vorsatzblätter angerändert, diese mit umfangreichen alten handschriftlichen Bemerkungen und stärkeren Randläsuren und Einrissen; Titelblatt mit Eckausriß (ohne Textverlust); durchgehend gebräunt, fleckig, mit kleineren Knickspuren an den Rändern und kleineren Randläsuren sowie mit Kommentierungen von alter Hand.

 

526 Zeitschriften. - Literatur. Die Kolonne. Zeitung der jungen Gruppe Dresden (ab Jg. 1, Heft 7/8: Zeitschrift für Dichtung). Herausgegeben von A. Artur Kuhnert und Martin Raschke (dies wird ab Jg. 1, Heft 9 vermerkt, davor lediglich die Angabe : "Verantwortlich für den Inhalt: A. A. Kuhnert"; Jg. 1, Heft 7/8 diesbezüglich ohne jeglichen Hinweis). 15 Hefte (von 17) der Jahrgänge 1 - 3 ( Es liegen vor: Jg. 1 Heft 1 - 9 [Heft 4/5 und 7/8 sind Doppelnummern]; Jg. 2 Heft 1, 2, 4, 6 (ohne Heft 3 u. 5); Jg. 3 Heft 1, 2, 3 und 4.  Dresden, Wolfgang Jess Verlag, 1929 - 1932. Quart. 1500,--
Äußerst seltene, fast vollständige Folge der Zeitschrift "Die Kolonne", die sich als Forum einer eigenständigen, nicht von Moden beeinflußten Literatur verstand. - Schlawa S. 21; Dietzel/Hügel II, 1613; Laakmann/Tgahrt 219. - Von der Zeitschrift Kolonne erschienen in unregelmäßigen Abständen drei Jahrgänge mit insgesamt 19 Nummern, wobei der Jahrgang 1 zwei Doppelnummern enthielt (Heft 4/5 und 7/8). Die einzelnen Hefte unterscheiden sich in Umfang und Ausstattung. Die Kollation im Einzelnen: 6 S. (Jg. 1, Heft 1), S.7 - 14 (Jg. 1, Heft 2), S. 15 - 22 (Jg. 1, Heft 3), S. 23 - 36 (Jg. 1, Heft 4/5), S. 37 - 46 (Jg. 1, Heft 6), 1Bl., S. 47 - 58, 1 Bl. (Jg. 1, Heft 7/8), 1 Bl., S. 59 - 66, 1 Bl. (Jg. 1, Heft 9); 1 Bl., 12 S., 1 Bl. (Jg. 2, Heft 1), 1 Bl., S. 13 - 24, 1 Bl. mit 2 Tafeln (Jg. 2, Heft 2), 1 Bl., S. 37 - 48, 1 Bl. (Jg. 2, Heft 4),  1 Bl., S. 61 - 72, 1 Bl. mit beiliegender Verlagsbeilage des Wolfgang Jess Verlags (Jg. 2, Heft 6); 3 Bll. (mit Inhaltsverzeichnis des 2. Jg.), S. 1 - 16, 1 Bl. (Jg. 3, Heft 1), 1 Bl., S. 17 - 32, 1 Bl. (Jg. 3, Heft 2), 1 Bl., S. 33 - 48, 1 Bl. mit einem ganzseitigen Originalholzschnitt von Reinhold Langner und beiliegender Verlagsbeilage des Wolfgang Jess Verlages (Jg. 3, Heft 3), 1 Bl., S. 49 - 64, 1 Bl. (Jg. 3, Heft 4). Ab Heft 6 des 1. Jahrganges weisen die Hefte ein vorderes und hinteres Deckblatt auf. - Drei Gedanken des dem ersten Heft vorangestellten Aufsatzes umreißen die Intention, die mit der Herausgabe der "Kolonne" verfolgt wurden: 1. "Der Versuch, einige literarische Arbeiten, vorzüglich Dresdner Schriftsteller, scheinbar fern den Themen eines geschäftigen Tages, zu einem Flugblatt zu vereinen...", 2. Die Vermeidung, "Wunder und Sachlichkeit deutlich gegeneinander abzugrenzen", wobei unter Wunder vor allem auch die erlebbaren Dinge in der Natur verstanden werden und 3. Die Vermeidung "jener Art von Kritik und Literatur..., die davon lebt, Wert gegen Wert auszuspielen, und nie fähig ist, die eigene Stellung festzulegen, ohne eine zweite abzulehnen." Neben den drei Gattungen Lyrik, Drama  und Prosa finden sich andere kleinere Abhandlungen zu diversen, meist jedoch literarischen Themen und viele Buchbesprechungen. Manchen Heften wird ein Thema vorangestellt (z.B. die Aufforderung an junge Schriftsteller, "möglichst in aphoristischer Form Auskunft über ihr schriftstellerisches Schaffen zu geben"), in anderen Nummern werden aufgenommene Arbeiten kritisch, zuweilen ablehnend- polemisch diskutiert. Zweimal wird ein Lyrikpreis ausgelobt, an dem sich alle jungen Schriftsteller beteiligen können, "soweit sie nicht in ausgedehntem Maße mit lyrischen Publikationen hervorgetreten sind." - Einer neuen Form der Naturlyrik verbunden, widersetzt "Die Kolonne" sich "der Blut- und Bodentendenz einerseits und der Proletkunst andererseits" (siehe Schlawe a.a.O.). Unter den vielen Beiträgen befinden sich Arbeiten u.a. von Günter Eich, Martin Beheim-Schwarzenbach, Peter Huchel, Hermann Kasack,  Horst Lange, Elisabeth Langgässer, Paula Ludwig, Ernst Penzoldt, Paul Zech und Guido Zernatto. Um jedoch eine "Einseitigkeit und [ein] schabloniertes Urteil [zu] vermeiden" (siehe Schlawa), werden auch Beiträge älterer deutscher Dichtung von der Barockzeit bis zu den Klassikern wie Goethe und Hölderlin aufgenommen. Mit dem "Namen der Zeitschrift sollte auf den Kameradschaftsgeist" (siehe Schlawa) der zu ihrer Zeit oft noch unbekannten Dichter hingewiesen werden. Die letzten beiden Hefte enthalten die Rubrik "Kritisches Beiblatt" (in der Paginierung enthalten) mit vorwiegend Rezensionen. - Der Dresdner Graphiker und Bildhauer Erich Gottlob Reinhold Langner (1905 - 1957) entschloß sich nach einer Maurerlehre zum Studium der Holzbildhauerei an der Kunstgewerbeakademie in Dresden. Nach einer Zeit als freischaffender Künstler wendete er sich später einer akademischen Laufbahn zu. Nach dem 2.Weltkrieg widmete er sich u.a. dem Wiederaufbau des Museums für Sächsische Volkskunst in Dresden. - Wolfgang Jess (1885 - 1945) gründete den nach ihm benannten Verlag im Jahr 1920 in Dresden. Neben seinem vorwiegend bibliophil ausgerichteten Programm, zu dem auch aufwendig gestaltete Kunstbücher gehörten, verschloß er sich nicht literarischen Experimenten mit jungen und unbekannten Autoren und neuen Formaten. Die vorliegende Zeitschrift "Die Kolonne" ist dafür ein herausragendes Zeugnis. Bei der Bombardierung von Dresden wurden die Verlagsräume vollständig zerstört; Wolfgang Jess fiel in den letzten Kriegswochen. - Zu den Herausgebern: Bereits im Jahr 1925 fungierte Martin Raschke (1905 - 1943) als Mitherausgeber der über Dresden hinaus bekannte Schüler- und Jugendzeitschrift MOB, die eine aktive Auflehnung gegen die Werte des Bürgertum propagierte und aus deren Leserkreis heraus sich schnell eine intellektuelle Kulturbewegung in seiner Vaterstadt etablierte. Ab 1930 wirkte er als freischaffender Schriftsteller und schrieb von 1933 bis 1939 zusammen mit Günter Eich ca. 70 Hörfolgen des "Deutschen Kalenders" (Kosch XII, 599). - Adolf-Artur Kuhnert  (1905 - 1958) absolvierte eine Müllerlehre und ein naturwissenschaftliches Studium bevor er sich als freier Schriftsteller niederließ und später auch als Rundfunkreporter und Drehbuchautor arbeitete (Kosch IX, 692). - Zustand: Die Hefte des ersten Jahrganges weisen schwache Spuren einer Querfaltung auf; bei den Nummern 1 bis 6 des 1. Jahrganges sind die Bögen lose ineinander gelegt, ab Heft 7/8 des 1. Jahrganges findet sich eine Klammerheftung; besonders die ersten Hefte stellenweise mit eingerissenem Falz und diversen, meist kleineren Einrissen und Knickspuren an den Rändern; vereinzelt fleckig und ein wenig gebräunt (Heft 4 von Jg. 3 etwas stärker).

 

 

527 Zeitschriften. - Literatur. - Expressionismus. - Das Flugblatt. Herausgegeben von Oskar Maurus Fontana und Alfons Wallis. Heft 1 - 5 [alles Erschienene]. Wien u. Leipzig, Anzengruber Verlag (ab Heft III: Wien, Verlag Das Flugblatt), Frühjahr 1917 - Herbst 1918. Quart. 580,--
Seltene expressionistisch-literarische Zeitschrift, die aus dem Jung-Wiener Kreis hervorgegangen ist und laut den Worten des Herausgebers Montana mit ihrem Programm das Ziel anstrebte, in den Wirren des Ersten Weltkrieges "wieder das Gefühl der Dichtung, für den Dichter zu wecken, ihre verantwortungsvolle Gewissensnotwendigkeit zu zeigen..." - Raabe 31; Dietzel/Hügel II, 978; Laakmann / Tgahrt 128; vgl. 'Die schöne Rarität' Jg. 2, S. 143. - Die einzelnen Hefte bestehen jeweils aus 12 Seiten und unterscheiden sich in Format und Papierqualität; sie erschienen unregelmäßig (Frühjahr 1917/ Sommer 1917/ März 1918/ Mai 1918/ Herbst 1918) und enthalten Gedichte, kleinere Erzählungen und sonstige Anmerkungen. Der Druck ist zweispaltig. Zeitbedingt steht das Thema Tod und Krieg – vor allem in den beiden ersten Heften - noch im Vordergrund, aber auch andere Themen wie Naturimpressionen oder Betrachtungen über die Liebe werden poetisch-literarisch verarbeitet. Darüber hinaus wurden kleinere Rezensionen, Aphorismen zu unterschiedlichsten Themen oder Beiträge zu politischen Zeitfragen abgedruckt. So findet der Leser beispielsweise neben der Erzählung 'Die Behexten' von Alfons Wallis ein Gedicht über den 'Oktober' von Max Mell; Albert Ehrenstein schreibt über 'Zionismus und Menschlichkeit'; René Schickele interpretiert das Spiel des Virtuosen  Ferruccio Busoni und Alfred Holitscher macht sich Gedanken über das Phänomen des 'Sozialismus'. Die Vielfalt der Themen spiegelt sich auch in der großen Zahl der Autoren wieder, die mit Beiträgen vertreten waren. Zu nennen wären Uriel Birnbaum, Max Brod, Karel Capek, Paris von Gütersloh, Walther Hasenclever, Kurt Hiller, Rudolf Leonhard, Berthold Viertel, Hugo Wolf, Paul Zech und andere. - Zu den Herausgebern: Der Lyriker, Erzähler und Dramatiker Oskar Maurus Fontana (1889 - 1969) zählt mit der Herausgabe der Anthologie 'Die Aussaat. Prosa und Verse einer neuen Jugend" im Jahr 1916 zu einem der Wegbereiter des österreichischen Expressionismus (siehe auch Kosch V,307) - Alfons Wallis (1898 - 1967), Schüler von Schönberg, arbeitete als freier Schriftsteller, Journalist und Musikkritiker (siehe auch Dubrovic. Veruntreute Geschichte, S.231). - Zustand: Papierbedingt sind die Hefte III - V gebräunt.

 

 

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