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Antiquariat
Thomas Rezek
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301 Agrippa von Nettesheim, H. C. De incertitudine & vanitate scientiarum declamatio invectiva, denuo ab autore recognita & marginalibus annotationibus aucta. Ohne Ort und Drucker, 1537 (hier irrig: MXXXVII, also eigentlich 1037). 8°. 192 Bll., mit Holzschnittportrait Agrippas auf dem Titel. Hellbrauner Lederband des frühen 19. Jhs. mit Rückenvergoldung, goldgepr., umrahmtes Monogramm “AB” auf beiden Deckeln sowie goldgepr. Innenkantenfileten. 1000,- Index Aurel. 101.863; vgl. Caillet 87; Rosenthal 12 ff.; Ackermann V, 736. - Seltene und frühe Ausgabe des erstmals 1530 erschienenen, sehr erfolgreichen und häufig nachgedruckten Hauptwerkes von Agrippa (1486-1535), das großes Aufsehen erregte, zu einem Ketzerprozess führte und schließlich auch auf den Index kam. Agrippa verzeichnet in seiner “declamatio invectiva” systematisch Fehler und Irrtümer der verschiedensten Berufsgruppen und Institutionen, auch der Kirche. Das Werk gibt Kataloge bedeutender Erfindungen, die jedoch keinen wirklichen Fortschritt, sondern ein immer neues Irren dokumentieren. Durch diese Darstellung wird alles fragwürdig und nichtig, eitel, wie der Titel bereits ankündigt. Die Zusammenstellung ist jedoch zugleich mehr als eine Satire. Das Repertorium menschlicher Erfindungen und Entdeckungen wurde lange wie ein Nachschlagewerk genutzt. - Schönes Exemplar, gering gebräunt, wenig fleckig, Titel mit kleinen Vermerken. Der elegante Einband mit geprägten Deckeln, auf denen ein Monogramm von einem aufgefalteten Maßstab mit Griffen umgeben ist. 302 Aitinger, J. C. Volständiges Jagd- und Weydbüchlein, Von dem Vogelstellen, In dreyen Theilen verhandelt: I. Von Raubvögeln... II. Von großen und kleinen Vögeln... III. Vom Vogelstellen im Gehöltze und Vorhekken... itzt aufs neu verbessert... Frankfurt, Ingebrandt, 1681.Quer-8°, circa 13 x 16,5 cm. Gest. gef. Frontispiz, 7 Bll., 344 SS., 8 Bll., 52 Kupferstiche. Pergament d. Zt. 3500,- Index Aurel. 101.863; vgl. Caillet 87; Rosenthal 12 ff.; Ackermann V, 736. - Seltene und frühe Ausgabe des erstmals 1530 erschienenen, sehr erfolgreichen und häufig nachgedruckten Hauptwerkes von Agrippa (1486-1535), das großes Nissen 12; Schwerdt I, 8; Lindner 23.03. - Dritte, veränderte Ausgabe des zuvor 1653 unter dem Titel „Kurtzer und einfältiger Bericht Vom Vogelstellen“ erschienenen, nach allgemeiner Übereinkunft bedeutendsten deutschen Werk zur Technik des Vogelfangs. Zum Leben Aitingers, der Bedeutung des Werkes und seiner komplizierten Editionsgeschichte vgl. Lindner: „Durch Zuverlässigkeit des eigenen Wissens, Unabhängigkeit des Urteils und Natürlichkeit der Sprache setzte sich Aitinger mit seinem Bericht vom Vogelstellen ein bleibendes Denkmal. Wo er aus eigener Erfahrung sprechen konnte, ist seine Darstellung nicht nur sicher und klar, sondern von unübertroffener Präzision. Nirgends kommen wir in seiner Zeit der Praxis noch einmal so nahe wie bei ihm.“ - Papierbedingt etwas gebräunt oder fleckig, nur zu Beginn kleine Wurmspur ohne Textverlust. Die Tafeln in der rechten oberen Ecke alt von Hand nummeriert. Einband etwas angestaubt. Insgesamt vollständig und gut erhalten. 303 Alciati, Andrea. Emblemata. Cum Claudii Minois ad eadem commentariis & notis posterioribus. Lyon, Rouillé Erben, 1600. 8°. 20 Bll., 818 SS., 13 (1 w.) Bll., mit Holzschnitt-Titelbordüre und 211 emblematischen Textholzschnitten. Marmorierter Lederband d. 19 Jh. mit Rücken-, Deckel- und Stehkantenvergoldung. 950,- IA 103.051; Baudrier IX, 464; Landwehr, Rom. 89. - Spätere Ausgabe des berühmten Emblembuches, das die Gattung in ihrer Form aus Motto, Bild, Gedicht und Prosaerklärung etablierte, häufig nachgedruckt und in unzähligen Varianten kopiert wurde. Die erste Ausgabe erschien 1531 und wurde bald erweitert. Der Kommentar Mignaults ist hier mit eigenem Titelblatt beigebunden. - Papierbedingt etwas gebräunt, teils wenig fleckig, Titelblatt etwas knapp beschnitten, wenig berieben. Schönes Exemplar in elegantem Einband. 304 Almerte, Tarmini. Reisen Ihrer Majestät der Königin von Großbritannien und Ihres Kammerherrn des Baron Pergami in Teutschland, Italien, Sicilien, Griechenland nach Constantinopel, Smyrna,Alexandrien, Jerusalem, Jaffa, Tunis usw. Aus dem Französischen. Leipzig, Baumgärtner, 1821. 8°. VI, 112 SS., 1 Bl. Broschur d. Zt. 380,- Hayn-G. I, 544. - Erste deutsche Ausgabe dieser Reisebeschreibung. Da der Autor und Begleiter der Königin selbst Grieche war, nimmt der Aufenthalt in Griechenland sowie Carolines Unterstützung der neuen Akademie in Athen einen größeren Teil der Schilderung ein. Prinzessin Caroline Amalie Elisabeth von Braunschweig (1768-1821) hatte 1795 George IV. geheiratet, war aber schon kurz nach der Geburt ihrer Tochter Charlotte im Jahr 1796 vom Hof verstoßen worden und lebte zunächst in ihrem Landhaus, dann lange Zeit auf dem Kontinent. Sie wurde mehrfach Opfer von Verleumdungen und ihr angeblich unmoralischer Lebenswandel führte zu parlamentarischen Untersuchungen. Die vorliegende Reisebeschreibung ist eine Verteidigungsschrift und soll ihren Ruf wiederherstellen. - Papierbedingt gebräunt, zu Beginn etwas randrissig (ohne Textberührung), Umschlag mit Einrissen. 305 Anti-Kirchliche Satire - Was durch das Gegitter eines Beichtstuhls geht, Was der Polster eines Nonnenbetts hört, Was der Betschemel eines Mönchs sieht, das will ich euch anvertrauen. „Madrit, auf Kosten der heiligen Inquisition“, 1784.8°. 61 SS. Rücken-Broschur. 150,- Sehr seltene, erste Ausgabe dieser amüsanten anti-kirchlichen Satire in Dialogform mit Anmerkungen; laut KVK nur 1 Exemplar in deutschen Bibliotheken (München). Autor nicht ermittelt, wohl aus dem Umfeld der Freimaurerei. Karikiert werden klerikale Misstände, wobei die Dialogpartner auf Rouseau, Hume, D`Alembert und andere Aufklärer zu sprechen kommen. - Titel mit kleinem Besitzvermerk, sonst sauber und gut erhalten. 306 Aristoteles. Aristotelis Stagyritaelibri quatuor de coelo et mundo... Lyon, Giunta, 1542. 8°. 324 Bll., mit zahlreichen Textholzschnitten, Holzschnitt-Initialen und 1 Druckermarke. Pergament d. Zt. mit Rückenschild. 1200,- Index Aurel. II, 108.039;
nicht bei Adams, BMC, Brunet, Graesse, Hoffmann. - Schöner und seltener
Druck der naturphilosophischen Schriften des Aristoteles: Aristotelis
Stagyritae Libri quatuor de coelo et mundo, subnexis eius duobus
illis de generatione & corrup. cum singulorum epitomis, hactenus
non impressis, ac Averro. fidiss. interprete: necnon eiusdem opusculum
de substantia orbis, in calce operis appositum, cum apostillis. M.
Ant. Z(imarae) quibus nil inesse vitii deprehendes. - 4 Bücher über
das Himmelsgebäude, 2 Bücher über Entstehen und Vergehen. 308 (Arnim, Gisela von). Drei Mährchen. I. Das Heimelchen. II. Aus den Papieren eines Spatzen. III. Mondkönigs Tochter. Neue Ausgabe. Berlin, Expedition des v.Arnim‘schen Verlages, 1853. 8°. 5 Bll., 70 SS.; 2 Bll., 84 SS.; 30 SS., mit 2 lithographierten Titeln und 9 Lithographien auf farbigem Papier. Neuerer Pappband mit Lederrückenschild. 320,- Goed. VI,89,4; Klotz 153/4. - Erste Gesamtausgabe der drei Märchen, die Gisela von Arnim (1827 - 1889), die jüngste Tochter von Bettina und Achim von Arnim, zuvor unter den Pseudonymen Marilla Fittchersvogel und Allerlei Rauh im Selbstverlag herausgegeben hatte. „Es sind Märchen, nicht in der strengeren volkstümlichen Art der Brüder Grimm, sondern wie sie Arnim, Brentano, E.T.A. Hoffmann gedichtet hatten“ (Goed. VI,87). Die schönen Lithographien von Gisela und Maximiliane von Arnim, Marie von Olfers und Hermann Grimm sind auf verschiedenfarbigem Papier gedruckt. - Stellenweise gering fleckig, wenige Blätter stärker, die Illustrationen teils etwas knapp beschnitten; insgesamt schönes Exemplar. 309 (Bahrdt, Carl Friedrich). Briefe eines Staatsministers über Aufklärung.Straßburg (d.i. Berlin, Wienbrack?), 1789. 8°. VIII, 136 SS., mit gestoch. Titelvignette. Broschur d. Zt. 280,- Holzmann-B. I, 7693; Goed. IV, I, 827, 88. - Erste Ausgabe dieser seltenen, anonym veröffentlichten Satire des evangelischen Theologen, Aufklärers und Freimaurers Karl Friedrich Bahrdt. 1783 gründete er in Halle die Geheimgesellschaft „Deutsche Union der Zweiundzwandziger“ als Konkurrenzorganisation zu den Illuminaten. 1789 wurde er als Verfasser des satirischen Lustspiels „Das Religionsedikt“ zu einjährigem Festungsarrest auf der Zitadelle in Magdeburg verurteilt. - Rücken mit kleiner handschriftl. Nummer, stellenweise leicht fleckig und etwas gewellt, fliegende Vorsätze mit Broschur verleimt; Exlibris „G. C. v. Fechenbach“. Gutes, unbeschnittenes Exemplar. 310 Blinde - Zeune, August. Belisar. Ueber den Unterricht der Blinden. Berlin, Johann Friedrich Weiss, 1808-21. 8°. Gestochener Titel, 72 SS., 172 SS., 1 Bl., 3 (2 gefaltete und getönte) Kupfer. Broschur d. Zt. 320,- ADB XLV, 121f. - Erweiterte Ausgabe des erstmals 1808 erschienenen Werkes des Geographen, Germanisten und Blindenpädagogen Zeune (1778-1853), der 1817 eine Schrift über „Blinde und Blindenanstalten“ veröffentlichte und hier nun beide Werke „vereinigt als zwei sich ergänzende Halbe“ herausgibt. Der gestochene Titel ist 1808 datiert (das Datum 1821 ist zusätzlich eingedruckt). Nach KVK gibt es 1821 auch eine nur 96 Seiten umfassende Ausgabe ohne Kupfer (kein Nachweis in deutschen Bibliotheken für die vorliegende!?). Die Tafeln zeigen Sauderson´s Rechenmaschine für Blinde und die beiden Hemisphären der Erdkugel (gefaltet, getönt und mit roten Punkten markiert). Es liegt ein zusätzliches Papier in Blindenschrift von 1825 bei. - Nur zu Beginn mit kleinem Wasserrand, sonst sauber und gut erhalten. 311 Boissard, Jean-Jacques. Tractatus posthumus de divinatione & magicis praestigiis... Oppenheim, HieronymusGaller, (um 1615). Folio, ca. 30,4 x 20 cm. 14 Bll., 358 SS., 6 Bll., mit breiter Titelbordüre und 53 (1 ganzs.) Kupfern von J.Th. de Bry. Pergament d. Zt. 3500,- Brunet I, 1068: „Ouvrage curieux“; Caillet 1348: „Ouvrage fort rare et très recherché pour les... superbes planches de J. Th. de Bry qu‘il renferme“; Rosenthal, Bibl. magica 1249; Thorndike VI, 504. - Erste Ausgabe. «His treatise on divination and magic... (comprises) bits from various past authors such as Trithemius, naming and defining different occult arts, telling stories about them, and dealing with such particular themes as lycanthropy, Simon Magus, incubi and succubi... The chief original feature is an account of the oracle-gods and seers of antiquity with a fulllength picture of each person heading the discussion of him» (Thorndike). - Den Pfalzgrafen bei Rhein Johann, Friedrich Casimir und Johann Casimir gewidmet; nach dem prächtigen Titel ein schönes ganzseitiges Widmungskupfer, verso das bayerische Wappen. - Gut erhalten, nur leicht gebräunt, vereinzelt fleckig, meist frisch, wenige hs. Marginalien. Hs. Besitzhinweis des Andreas Schultze, im unteren weissen Rand des Titels als ein Geschenk des “Gebhardus Johannes ab Alvensleben in Erxleben”, datiert 1630. Einband mit leichter Druckstelle. Schön. 312 Brendel, Sebald. Die Geschichte, das Wesen und der Werth der Nationalrepräsentation... Nebst einem Anhange, die merkwürdigsten Verfassungsurkunden seit 1789 enthaltend. Ein Handbuch für wirkliche oder künftige Volksvertreter. Erste und zweite Abteilung in 2 Bänden. Bamberg und Leipzig, Kunz, 1817. 8°. Titel, VIII, 1 Bl., 331 SS.; Titel, IX, 1 Bl., 362 SS. Pappe d. Zt. mit Rückenschild. 380,- Erste Ausgabe. - Untertitel: Oder vergleichende historisch-pragmatische Darstellung der Staaten der alten und neuen Welt, besonders der deutschen, in Beziehung auf die Entstehung, Ausbildung, Schicksale und Vorzüge der Volksvertretung oder der öffentlichen Teilnahme an der höchsten Staatsgewalt. - Der Würzburger Juraprofessor Sebald Brendel war als Fürsprecher der jüdischen Emanzipationsbewegung bekannt; infolge der sogenannten Hepp-Hepp-Krawalle von 1819, gewalttätigen Ausschreitungen gegen Juden in Würzburg und vielen anderen Städten, wurde er Opfer mehrerer antisemitischer Übergriffe. - Leicht bestoßen und etwas beschabt, teils mit kleineren Fehlstellen im Bezugspapier, innen schöne, saubere Exemplare. 313 Buchholz, Friedrich. Hermes oder über die Natur der Gesellschaft mit Blicken in die Zukunft. Tübingen, Cotta, 1810. 8°. VI, 210 SS. Halb-Leder d. Zt. mit Rückenvergoldung. 320,- Goed. VI, 386, 13, 13; ADB III, 480; NDB II, 702. - Erste Ausgabe dieser Betrachtung über Gesellschaft und Individualität, besonders über die Rolle des Eigennutzes. Mit umfangreichenKapiteln zur Bedeutung des Geldes und der Ökonomie. Buchholz (1768-1843) war lange Parteigänger Napoleons, was ihm viel Anfeindung einbrachte. - Schönes Exemplar, gering gebräunt, etwas berieben, dekorativer Rücken mit schöner Goldprägung. 314 Cemal Pascha. Alte Denkmäler aus Syrien, Palästina und Westarabien. 100 Tafeln mit beschreibendem Text. Veröffentlicht auf Befehl von Ahmed Djemal Pascha. Berlin, Reimer, 1918. 4°. 105 Bll., 100 Tafeln. Original-Leinen mit Deckelprägung. 680,- Die Lichtdrucktafeln zeigen Baudenkmäler in Aleppo, Baalbek, Damaskus, Gerasa, Jerusalem, Palmyra, Petra, etc. Dazu jeweils ein Blatt mit Erklärungen in arabisch und deutsch sowie ein alphabetisches Verzeichnis der Tafeln nach Ortsnamen. - Leicht berieben, Rücken etwas aufgehellt, kleines Exlibris, sonst gutes, sauberes Exemplar. 315 China - Spizel, Theophil (auch Spitzel oder Spizer). De re literaria sinensiumcommentarius. Leiden, Peter Hack, 1660. 12°. Kupfertitel, 11 Bll., 306 SS., 10 Bll., 1 Holzschnitt-Tafel, 2 ganzseitige Kupferstiche und mehrere kleine Holzschnitte im Text. Pappe d. Zt. 480,- ADB XXXV, 221; Cordier BS 1412; Lust 77: „Baroque dream of a China involved with the ancient Middle East, Classical antiquity, etc.“ Hübsch ausgestattetes Werk mit vielen Quellenzitaten und Schriftzeichen im Text. Die Holzschnitt-Tafel zeigt wohl einen Rechenschieber, die Kupfer einen Mandarin und zwei Götzenbilder. - Kupfertitel mit kleinem Randabriss ohne Bildverlust, Titel und letztes Blatt mit unauffälligem Blindstempel, Vorsatz mit Vermerk aus Wolfenbüttel von 1752. Etwas gebräunt und berieben. Unbeschnitten. 316 Cook, James. Voyage dans l‘hémisphere Austral, et autour du monde, fait sur les vaisseaux du roi l‘Aventure & la Résolution, en 1772, 1773, 1774, & 1775. Traduit de l‘Anglois (par Suard). 6 Bände undTafelband. Paris, Hotel de Thou, 1778. 8° und 4°. Mit Falttabelle (im Textteil), gestoch. Portrait, 14 meist gefalt. Kupferstichkarten und 51 meist gefalt. Kupfertafeln. Geflammtes Leder d. Zt. mit reicher Rückenvergoldung und Halbleder d. Zt. mit Rückenschild und Rückenvergoldung (Tafelband). 3800,- Beddie 1224; Cox I, 60; Sabin 16249 (beide Quart-Ausgabe). - Erste vollständige französische Ausgabe, gleichzeitig auch mit einer Quart-Ausgabe erschienen. Beschreibung von Cooks zweiter Reise, die im wesentlichen der Erkundung eines möglichen südlichen Kontinents galt; mit Berichten über Neuseeland, Tahiti, die Osterinseln, Feuerland und zahlreiche weitere Inseln des Pazifiks. „His voyage of 1772-75 settled the age-long question of the existence of another continent, the Terra Australis Incognita, in the negative. It was also the fi rst scientifi c exploration of the South Polar Regions.“ (Cox I, 59). - Die Kupfer zeigen Ansichten, Reiseszenen, Pflanzen, Vögel, ethnologische Gegenstände, Eingeborenen-Porträts etc. - Teils leicht berieben, Ecken etwas bestoßen; nur vereinzelt gering fleckig oder gebräunt, einzelne Tafeln außen mit Quetschfalten. Schönes, sauberes Exemplar in seltener Vollständigkeit mit dem Tafelband, dekorativ gebunden. 317 Eichhorn, Johann Gottfried. Geschichte des ostindischen Handels vor Mohammed. Gotha, Ettinger, 1775. 8°. X, 82 SS. Neue Broschur. 290,- Kress 7102. Roscher 913; ADB V, 731. - Erste Ausgabe dieser wirtschaftsgeschichtlichen Untersuchung des bedeutenden Orientalisten Eichhorn (1752-1827), der ab 1775 eine Professur in Jena innehatte. Er gibt hier eine Zusammenstellung der Quellen über den frühen Handel zwischen Europa und Ostindien mit Angaben von Preisen für einzelne Waren, soweit feststellbar. - Gut erhalten, Titel mit altem Kaufvermerk. 319 Foscarini, Marco. Della letteratura Veneziana libri otto. Volume primo (= alles Erschienene). Padova, Stamperia del Seminario, 1752. Folio, circa 37,4 x 26 cm. 4 Bll., 494 SS., 1 Bl., mit großer, figürlicher Titelvignette, gestochenen Initialen und großen gest. Vignetten am Ende jedes Buches. Pergament d. Zt. 950,- Gamba 2243: “Nobilissima edizione”. - Erste Ausgabe des sehr elegant und mit hübschen Kupfern gedruckten Werkes zur venezianischen Literatur, das auf acht Bücher angelegt war, von denen Foscarini (1694-1763), der 1762 zum Dogen gewählt wurde und bald darauf verstarb, jedoch nur die ersten vier veröffentlichen konnte. Behandelt sind hier: Leggi, Cronache, Istoria Veneziana und Istoria forestiera. Das Werk wurde sowohl für seine Ausstattung, als auch für die hervorragende literarische Leistung des Autors sehr geschätzt. Gamba zitiert einen Brief von Paciaudi: „Egli è singolare, classico, originale nel genere suo. Non può essere scritto nè con più di giudizio nè con più di sapore”. - Titel mit kleinem, altem Besitzvermerk und unauffälligem Blindstempel, kaum gebräunt, Einband etwas angestaubt, insgesamt schönes Exemplar auf sehr gutem Papier gedruckt.
Frauen, von, für, über320 - Ahasver - Krüger, Maria Regina (?). Marien Reginen Krügerin geb. Rühlemannin Schreiben an den Herrn Prof. Carl Anton, darinnen bewiesen wird, daß es einen ewigen Juden gebe. Halle und Helmstädt, Hemmerde, 1756. 8°. 32 SS. Rückenbroschur. 380,- Seltene Satire zu der Sage vom ewigen Juden Ahasver, erschienen als Antwort auf die Schrift des Professors Carl Anton „Lepida fabula de Judaeo immortali...“ (Helmstedt, 1755). Über die Autorin ist nichts weiter zu erfahren. Nach ihrem Bericht sei sie mit einem Professor der Mathematik verheiratet und habe dieses Schreiben verfasst, während er gerade im Collegio war. Eine lange Beschreibung (jedoch ohne weitere Erkenntnisse) gibt Leonhard Neubaur, „Die Sage vom ewigen Juden“, 1884, SS. 23-27. Er scheint die Krügerin für real zu halten. Das Werk bezeichnet er als „sehr selten“ und zitiert deshalb ausführlich. - Die Satire fußt auf der angeblichen Begegnung der Autorin mit Ahasver, der ja deshalb auch existieren müsse - sie habe ihn selbst gesehen. Es folgt eine sehr ausführliche Beschreibung, bis auf die Manschetten. In der Folge erschien noch ein Supplement eines anonymen Autors zum selben Thema. - Nur gering gebräunt, wenige alte Anmerkungen in Bleistift.
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Juristische Dissertation über die Verfügungsgewalt der Frauen über ihre Mitgift. - Papierbedingt gebräunt oder etwas fleckig. — —
322 Böse Weiber - Poetische Einwendung Und Respektive Klagen Wider die lezthin gegen die bösen Weiber herausgegebene Piece. Ohne Ort und Drucker, um 1760 (nach KVK). 4°. 4 x 2 Bll. Neuerer Umschlag. 220,- Sehr kurioser Druck von vier Gedichten in einem Streit um die Stellung der Frau. Auf den ersten Text, der sich gegen einen Dichter wendet, dem angekündigt wird, ein ganzes Amazonenheer sei bereits gegen ihn losgezogen, folgt die Antwort: „So hab ich denn gefehlt, so hab ich mich vergangen, Daß ich den Federkrieg mit Weibern angefangen...“; darauf eine „Duplic Auf die neulich ergangene Gegenantwort des weiblichen Achillus“ und schließlich eine „Letzte Gegenantwort“ („Ein neuer Weiberfreund, ein neuer Goliat / Zieht wider mich zu Feld...“). Nach KVK nur 1 Exemplar nachzuweisen - nämlich dieses hier vorliegende, das im Rahmen einer Restitution in Halle ordnungsgemäß ausgeschieden wurde. - Gut erhalten, nur etwas angestaubt, Titel mit Vermerk einer Adelsbibliothek, Umschlag mit Etiketten.
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323 (Brandes, G. F.). Ueber die Weiber. Wien, Trattner, 1788. 8°. 157 SS. Halb-Leder um 1900 mit Rückenvergoldung. 360,- Giese 2099. - Nachdruck der 1787 bei Weidmann erstmals erschienenen „interessanten Schrift über die Frauen, welche streng, aber treffl ich charakterisiert sind. Über das große Aufsehen, welches das Buch bei seinem Erscheinen erregt, siehe Ernst Fredersdorff: Die Berlinerinnen im 18. Jhdt.“ (Hayn-G. VIII, 8). Ein Vorbesitzer hat sich angestrichen: „Mögen immer ausschweifende Ehemänner, die Umarmungen feiler Buhlerinnen den keuschen Freuden des Ehebettes vorziehen, dort größere sinnliche Vergnügungen als hier fin-den. Wer aber durch moralische Empfindungen die Befriedigung seiner animalischen Triebe zu erhöhen weiß (...) wird der nicht diesen Gegenstand dem vorziehen durch den er weiter nichts als erhöhten convulsivischen Kitzel empfindet?“ -und kurz darauf: „Der weibliche Heroismus soll sich im Dulden zeigen.“ - Einige hilfreiche Anstreichungen mit Bleistift, sonst sauberes, hübsch gebundenes Exemplar.
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324 Frauen sind auch Menschen - Gedik, Simon. Defensio sexus muliebris, opposita futilissima disputationi recens editae, qua suppresso Authoris & Typographi nomine blaspheme contenditur Mulieres homines non esse. Leipzig, Heinrich Samuel Scipio, 1707. 4°. 20 Bll. Rückenbroschur. 220,- Vgl. Wellcome III, S. 99; Jöcher II, 900. - Kuriose, medizinisch-theologisch argumentierende Streitschrift von Gedik (1551-1631), in der er sich gegen die zuvor anonym publizierte These wendet, Frauen seien keine Menschen. - Papierbedingt etwas gebräunt, Titel mit kleinem Papieretikett.
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325 Helena Piscopia - Büsin, Peider(Businus). Parthenos Ouenete. Virgo Veneta : Hoc est, Dotes Nobilissimae, Doctissimaeque Virginis, Dn. Helenae Corneliae Piscopiae, ad miraculum eruditae... carmine Heroico Graeco expressae, addita interpretatione Latina... Zürich, Bodmer, (1672). 4°. 10 Bll. Umschlag. 400,VD17 12:184324N (nur 1 Nachweis in Deutschland). - Seltenes Lobgedicht in griechischer Sprache (!), durchgehend in griechisch-lateinischem Paralleldruck, von Büsin (1632-1685, aus Silvaplana im Oberengadin) dem venezianischen Prokurator Giovanni Baptista Cornelio Piscopio gewidmet. Büsin besingt dessen bemerkenswert gelehrte Tochter Elena Lucrezia Cornaro Piscopia (1646-1684), die nicht nur zahlreiche alte wie neue Sprachen beherrschte, sondern auch Vorträge über Mathematik und Physik hielt. Im Jahr 1678 erwarb sie als erste Frau einen Doktortitel in Philosophie an der Universität Padua, wo noch heute ein Standbild an sie erinnert. Ferner wurde sie in zahlreiche Akademien aufgenommen und hielt öffentliche Vorlesungen. Wenn sich der Bischof von Padua nicht zuletzt noch widersetzt hätte, wäre sie beinahe auch die erste Frau mit einem Doktortitel in Theologie geworden. - Titel mit handschriftlicher Widmung (wohl des Autors) an einen Professor Zwingger.
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326 (Hermes, J. T.). Für Eltern und Eh-lustige unter den Aufgeklärten im Mittelstande eine Geschichte vom Verfasser von Sophiens Reise. 5 Bände. Leipzig, Jacobäer, 1789. 8°. 1 Bl., 368 SS., 1 Bl.; 1 Bl., 390 SS., 1 Bl.; 406 SS., 1 w. Bl.; 420 SS.; 1 Bl., VIII, SS. (3)-504, mit 1 gest. Titelvignette von D. Chodowiecki. Pappbände d. Zt. 300,- Goed. IV1, 585, 5; Engelmann 605; Hayn/G. II, 478. - Seltene erste Ausgabe. “Seiner Zeit vielgelesenes, ziemlich zahmes Opus” (Hayn/G.). Hermes (1738-1821) war Theologe und veröffentlichte unter verschiedenen Pseudonymen populäre Romane. Exemplar aus der Richterischen Lesebibliothek (nicht bei Warnecke), Titel von Band 1 mit Stempel “Johann Gottfried Richter” und 3 Bände mit hübschem, in Rot gestochenem Exlibris. - Alte Besitzvermerke, meist sauber, nur jeweils die ersten und letzten Blätter etwas knittrig, nur Band 5 stärker gebräunt und etwas wasserfleckig. Titel verso mit neuerem Stempel. Berieben, Rücken mit neuerem Etikett.
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327 Jungfrauen, Amor, Orgien - Kornmann. Sammelband mit 3 kuriosen Werken in 1 Band. Frankfurt u. Nürnberg, 1610-27. 8°. Leder d. Zt. 480,- I. Kornmann, H. Sibylla TrygAndriana seu de virginitate, virginum statu & iure tractatus... Ffm., Becker für Fischer, 1610. 281 SS., 3 Bll. -II. Kornmann, H. Linea amoris, sive commentarius in versiculum gl. visus, colloquium, convictus, oscula, factum... Ffm., Becker, 1610. 148 SS., 4 Bll. - III. Herrenschmid, J. D.O.M.S. peripatheticus orgiorum ethnico-pontifi cius... de Bacchanaliorum nomine, origine... Nürnberg, Halbmayer, 1626. 132 SS. - Siehe Jöcher II 2148 zu Kornmann und 1556 zu Herrenschmid. Amüsante Sammlung kulturgeschichtlicher und juristischer Abhandlungen zu erotischen Themen. Besonders hübsch die sich steigernde Anordnung: Jungfrauen, Amor, Orgien. - Aus der fürstlichen Bibliothek Donaueschingen, mit Stempel, Papiersignatur, Wappenexlibris und handschriftlichem Eintrag von Joseph von Laßberg. Teils gebräunt oder fl eckig, berieben.
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328 (Krock, Anna Helene von). Briefe einer reisenden Dame aus der Schweitz 1786. Frankfurt u. Leipzig, 1787. 8°. 111 SS. Späterer Pappband. 220,Interessante Beschreibung einer Reise durch die Schweiz, von Schaffhausen über Zürich und Bern nach Genf, Lausanne und Umgebung. Die Autorin hat ein waches Auge für Schweizer Eigentümlichkeiten und scheint sich besonders auch für Bibliotheken und gelehrte Einrichtungen zu interessieren (Beschreibung seltener Drucke in Zürich, Bibliothek und Naturalienkabinet in Bern etc.). Sie wird von Usteri, Lavater, Saussure und anderen persönlich empfangen; in Ferney äussert sie sich sehr kritisch über die Eitelkeit Voltaires. -Kaum gebräunt, gut erhalten.
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Vgl. Cioranescu 46811. - Zweite Ausgabe des erstmals 1690 erschienenen kleinen Lexikons philosophierender Frauen, einer Ergänzung zu dem großen Werk über Diogenes Laertius, das Ménage 1663 veröffentlicht hatte. Aufgezählt und kurz charakterisiert werden 112 Frauen. Angestrebt wird keine lexikographische Vollständigkeit, sondern eine kluge Auswahl. Die „Nouvelle Biographie générale“ urteilt, seine „travaux lexicographiques méritent encore aujourd’hui l’estime et l’attention“ (XXXIV, 890). - Etwas gebräunt, nur anfangs etwas stärker fleckig. Einband berieben, Rücken mit stärkeren Wurmspuren.
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Hayn-Got. IX, 590 (mit irrtümlichen Angaben). - Seltene, einzige Ausgabe dieser medizinischästhetischen Schrift über die weiblichen Brüste, die 1791 zunächst als Dissertation des Berner Arztes Tribolet in lateinischer Sprache erschienen war. Der Autor erklärt verschiedene Probleme, die durch falsche Kleidung auftreten können und gibt Ernährungshinweise und Ratschläge für eine gesunde Bewegung. Neben dem medizinischen Aspekt hat Tribolet auch ein ausgeprägtes Interesse an der reinen Ästhetik des weiblichen Busens, der keinesfalls zu sehr verpackt werden dürfe. „Es wäre daher unstreitig besser, um einen schönen und für Anfechtungen von Krankheiten... gesicherten Busen zu haben, man trüge, da das lüsterne Auge so weit mehr nach dem neidischen Halstuche blickt, und manche Schöne vielleicht so durch das Verpallisadiren des Busens bei den Mannspersonen ihren Kredit verliert, die Brust frei und offen und gewöhnte sie dadurch an die Eindrücke der äußern Luft.“ - Etwas gebräunt, teils fleckig. 332 Friedrich II., der Große. Die Werke. In deutscher Übersetzung. Herausgegegenvon G. B. Volz. 10 Bände. UND: Briefe. In deutscher Übersetzung. Hrsg. von M.Hein. 2 Bände. - Zusammen 12 Bände. Berlin, Hobbing, 1913-1914. 4°. Mit vielen Abbildungen im Text und auf Tafeln von Adolph von Menzel. Rote Original-Maroquinbände mit Rücken- und Deckelvergoldung, Kopfgoldschnitt. 3650,- Bock S. 370. - Eines von 440 nummerierten Exemplaren der prachtvollen Vorzugsausgabe auf Bütten in Handeinbänden. Die Briefausgabe ist nicht als Vorzugsausgabe gekennzeichnet, liegt jedoch in gleicher Ausstattung vor. Diese Luxusausgabe erschien „in Erinnerung an die 200jährige Geburtstagsfeier“ Friedrichs II. im Jahre 1913. Enthält: 1: Denkwürdigkeiten zur Geschichte des Hauses Brandenburg; 2: Geschichte meiner Zeit; 3 u. 4: Geschichte des Siebenjährigen Krieges; 5: Altersgeschichte, Staats- und Flugschriften; 6: Militärische Schriften; 7: Antimachiavell und Testamente; 8: Philosophische Schriften; 9 u. 10: Dichtungen. - Sodann 2 Bände Briefe. - Schönes Exemplar. 333 (Gartner, Andreas) und Vives - 2 in 1 Band. - Dicteria proverbialia, rhythmica,ab antiquitate mutuata, et doctrinam ethicam complectentia... Vorgebunden: Vives, Juan Luis. Ad veram sapientiam introductio... Frankfurt, Egenolff Erben, 1585. 8°. 72 (1 w.) Bll., mit 2 Druckermarken; 127 num Bll.; 65 (3 w.) Bll. Pergament d. Zt. 680,- GARTNER: VD 16, ZV 6324; Goed. II, 15, 10; Richter, Egenolffs Erben 525. - Erstmals 1566 erschienen. Wertvolle und trotz zahlreicher Auflagen recht seltene Sammlung von Sprüchen und Fazetien, teilweise der humanistischen Latinität entnommen. Der Hauptteil enthält nach Duplessis auch echte Volkssprichwörter, nach Stichworten geordnet und lateinisch-deutsch wiedergegeben, daneben auch Weinsprüche. Angehängt kleinere Sammlungen, z. B. zur Diätetik (auch deutsch) und gegen die Astrologie (Prognostica). -Titel in Rot und Schwarz. Beiträge von Hch. Knaust, Joh. Brauer, Hch. Wescher, Ph. Melanchthpon und Gg. Gärtner. - VIVES: Ad veram sapientiam introductio. Eiusdem satellitium animi, sive symbola... Adiecimus Isocratis orationem ad Niclocem, per Ottomarum Luscinium... Leipzig, Valentin Voegelin, 1594. - VD 16, V 1798 (Ausg. 1600 bei Vögelin). - Seltene Ausgabe des oftmals geruckten Büchleins der Weisheit. - Einband etwas angestaubt, Bindebänder fehlen; etwas gebräunt, stellenweise gering fl eckig und vereinzelt alte Anstreichungen mit brauner Tinte, Blatt y4 im unteren Rand mit Ausriß mit minimalem Textverlust (Gartner) bzw. teils mit minimalem Feuchtigskeitsrand (Vives). Insgesamt gut erhaltenes Exemplar. 334 Germain, Claude. Icon philosophiae occultae, sive vera methodus componendi magnum antiquorum philosophorum, lapidem. Rotterdam, Arnold Leers, 1678. 12°. 24 Bll., 48 SS., mit Holzschnitt-Titelvignette. Neueres Halb-Pergament. 680,- Ferguson I, 313; vgl. Rosenthal 351, Duveen 243 (zur E.A., Paris 1672) u. Caillet II, 4496. - Seltene zweite Ausgabe dieses Traktates über die Herstellung des Steins der Weisen mit dem Motto: “Nihil est tam absconditum, quod non aliquando manifestum fiat.” Eine deutsche Übersetzung erschien 1774 unter dem Titel: “Abbildung der geheimen Filosofie; eine ächte Vorschrift, den Stein der alten weisen zu machen”. Der Autor war Mediziner an der Universität Paris. - Papierbedingt etwas gebräunt, kaum fleckig, gut erhalten. 335 Germania - Sammelband. I. Tacitus. Germania. Vocabula regionum enarrata, et ad recentes adpellationes accommodata. Harminius Ulrici Hutteni. Dialogus, cui titulus est Iulius. Recens edita a Philippo Melanthone. Wittenberg, Johannes Lufft, 1557. 8°. 79 Bll. Blindgeprägtes Halb-Schweinsleder d. Zt., Deckel mit grüngefärbter Handschrift. 1000,- VD 16 T 37. - Die Germania des Tacitus, von Melanchthon herausgegeben mit weiteren Texten von Helius Eobanus Hessus und Konrad Celtis. -ANGEBUNDEN: II. Willich, Iodocus. In Cornelii Taciti Eqvitis Romani Germaniam Commentaria. Insertae sunt et historiae. Zythi Germanici contra multos scriptores. Succini contra plaerosque. Sueui fluminis contra omnes Geographos. Eodem autore. Frankfurt an der Oder, Eichhorn, 1551. 168 Bll., mit Holzschnitt-Porträt von Willich. VD 16, T 35. - Sammlung zweier Ausgaben jeweils der Germania mit Kommentaren und weiteren Texten zur deutschen Geschichte von den größten deutschen Humanisten. Der Text des Tacitus spielte eine herausragende Rolle in dem Prozess der Herausbildung eines deutschen Patriotismus, der sich besonders von Rom und dem Papst absetzen wollte. Die Idealisierung eines unverdorbenen Germanentums gegenüber der römischen Dekadenz, wie Tacitus sie ausführt, kam schon dem Kreis um Celtis sehr gelegen, als es noch darum ging, eigene Leistungen gegenüber dem italienischen Humanismus herauszustellen. Durch die Reformation nördlich der Alpen, bekam der Gegensatz dann nochmals eine besondere Qualität. Die beiden hier versammelten Ausgaben mit ihren Beitexten dokumentieren das Erwachen eines neuen Nationalgefühls, das auch vielfache historische und geographische Forschungen inspirierte. - Mehrere alte Anmerkungen und Stempel, wenige Seiten geknickt, wenige Papierfehler ohne Textberührung, gebräunt, Gelenke von innen verstärkt, berieben, Rücken mit 2 Rschildern des 19. Jh. 336 Gespenster - Seltsamer Streit und Kampf Zweyer Unterirdischen Poltergeister in dem Leben Des Grafen Vinall und Der Fräulein Hermoine. Dresden, Ger-lach, 1748. 8°. Gestochenes Frontispiz, XIV, 168 SS. Pappe d. Zt. mit Marmorpapier-Bezug (wohl um 1820). 850,- Hayn-G. VII, 460. - Seltener Schauerroman, angeblich aus dem Italienischen eines Grafen Vinall, der hier selbst Erlebtes wiedergebe. Der abenteuerliche Bericht schildert auch die Erscheinung zweier kopfloser Geister, die auf dem Frontispiz dargestellt sind. Die ganze Begebenheit soll sich in den Jahren nach 1740 zugetragen haben. - In deutschen Bibliotheken nach KVK nur zwei Exemplare nachweisbar. - Etwas gebräunt und berieben, Titel mit kleinem unauffälligem Riss im Bug, Rücken mit unauffälliger Restaurierung. Wappen-Exlibris. 337 Gilly, David. Handbuch der LandBau-Kunst vorzüglich in Rücksicht auf die Konstruktion der Wohn- und Wirthschaftsgebäude für angehende Kameral-Baumeister und Oekonomen. Erster und Zweiter Theil. Berlin, Decker, 1797 - 1798. 4°. 2 Bll., 297 SS., 1 w. Bl.; VIII, 325 SS., 1 Bl., mit 2 gest. Titelvignetten und 49 gef. kolorierten Kupfertafeln. Stilvolle, neuere Halbpergamentbände mit Rückenschild. 1400,- Erste Ausgabe. David Gilly (1748 - 1808), Mitbegründer und späterer Direktor der Berliner Bauakademie (heute Technische Hochschule), war als Geheimer Baurat für die Provinzen Pommern, Ost- und Westpreußen einer der maßgeblichen Architekten und Baumeister des preußischen Vorklassizismus. - Die schönen Kupfertafeln mit detaillierten Architektur- und Konstruktionszeichnungen von Grundrissen bis zu Portalen, Fenstern, Treppen usw. - Einbände leicht berieben, nur gering fleckig oder gebräunt (1 Titelblatt stärker), die Tafeln sauber mit schönem Kolorit. Hübsches, vollständiges Exemplar. 338 Gnapheus, Guilelmus. Comoedia Acolasti titulo inscripta de fi lio prodigo. Paris, Wechel, 1530. 8°. 36 Bll., mit Titelbordüre und Druckermarke. Neuer Pappband. 480,- Nicht bei Adams und Panzer, nicht im STC. - Frühe und seltene Ausgabe der erfolgreichen, erstmals im Vorjahr in Antwerpen erschienenen neulateinischen Komödie. - Guilelmus (eigentlich Willem de Volder, 1493 - 1568) war niederländischer Humanist und Anhänger Luthers; mit dem neulateinischen „Acolastus“ 1529 nach Vorbildern von Plautus und Terenz schrieb er das erste biblische Schuldrama. - Titelblatt im unteren weißen Rand mit winziger handschriftl. Numerierung, Titel und letzte Seite leicht angestaubt, sonst wohlerhalten. Exemplar der Alchemie-Forscherin Karin Figala mit ihrem Besitzvermerk auf dem Vorsatz und Exlibris. 339 Gottschalck, Friedrich. Die Ritterburgen und Bergschlösser Deutschlands. 9 Bände. Halle, Hemmerde und Schwetschke, 1815-37. 8°. Zus. circa 3200 SS., mit 9 gestochenen Titeln mit Vignette und 9 gestochenen Frontispicia. Halb-Leder d. Zt.mit Rückenvergoldung und Rückenschild. 750,- Engelmann, Geogr. 418; Heydenreich, Handb. I, 168 - Standardwerk zur (Bau-)Geschichte der Burgen und Bergschlösser Deutschlands mit zusätzlichen genealogischen Erläuterungen. Die schönen Frontispicia zeigen: Giebichenstein, Falkenstein am Harz, Wildenfels, Rodenstein im Odenwald, Ruinen von Stecklenberg und Lauenburg, Frankenstein, Dürnstein an der Donau, Kinsberg, Ruinen des Schlosses Weidelberg. Die Titelvignetten mit Ansichten von: Kunitzburg, Ruinen des Hannstein, Arnstein, Falkenstein am Taunus, Hohenaurach, Kruckenberg, Askanienburg, Strahlenburg, Kogelberg. - Vollständige Ausgabe in neun Bänden; einheitliche Mischauflage. - Leicht berieben, teils gering bestoßen, Vorsätze mit kleinem privaten Besitzstempel und etwas leimschattig, teils minimal gebräunt; schöne, saubere Exemplare in dekorativen Einbänden. 340 Gryphius, Andreas. Freuden- und Trauer-Spiele auch Oden und Sonnette sampt Herr Peter Squentz Schimpff-Spiel. 13 Teile in 1 Band. Breslau, Lischke und Trescher (bzw. Breslau, Gottfried Gründer), 1658. 8°. Frontispiz, 7 Bll., 83 SS. -. 4 Bll., 85 SS., 1 Bl. - 2 Bll., 57 SS. - 3 Bll., 62 SS., 2 Bll. - 7 Bll., 63 SS. - 3 Bll., 15 SS. - 3 Bll., 25 SS., 1 Bl., 85 SS., 6 Bll., 42 SS., 2 Bll., 117 SS., 3 Bll. - Kupfertitel, 6 Bll., 58 Bll., 7 Kupfer - 20 Bll. - 2 Bll., 42 SS. Pergament d. 19. Jh. mit 2 Rschildern. 4800,Dünnhaupt III, 1861, 2.2; Faber du Faur 628; vgl. Goed. III, 219, 19 (nur Ausgabe 1663). - Sehr seltene Sammelausgabe, als erweiterte Titelauflage zu der 1657 gedruckten „Deutscher Gedichte Erster Theil“ erschienen und hier um den nun auf dem Titel genannten „Peter Squentz“ vermehrt. Enthält: Leo Armenius - Catharina von Georgien -Carolus Stuardus - Beständige Mutter - Cardenio und Celinde - Majuma - Kirchhoffs-Gedanken - Oden - Thränen über das Leiden Jesu Christi - Sonnette (vier Bücher) - Absurda Comica Oder Herr Peter Squentz, Schimpff-Spiel. -Genau wie im Exemplar von Faber du Faur sind hier (vor den Peter Squentz) noch eingebunden: „Papinianus“ (mit Kupfertitel und 7 Kupfer-Tafeln) und „Verlibtes Gespenste“ - andere Exemplare haben statt dieser beiden Titel auch 79 Seiten Epigrammata eingebunden. Das Stück Peter Squentz, hier mit Noten, ist ein wichtiges frühes Beispiel für die Rezeption von Shakespeare in Deutschland. „The English influence is beyond question, and is confirmed by the figure of the Pickelhäring. The English Comedians presumably performed the Midsummer Night´s Dream in Germany... Gryphius´ text often departs very far from the original, but some passages read almost like a translation...“ (Faber d. F., 627). - Gut erhalten, etwas gebräunt, Vorsatz mit Wappen-Exlibris, vorderes Gelenk etwas angeplatzt, aber solide. 341 (Gryphius, Christian). Vitae selectae quorundam eruditissimorum ac illustrium virorum. Breslau, Bauch, 1711. 8°. 4 Bll., 728 SS. Pergament d. Zt. mit goldgeprägtem Wappensupralibros (Altenburg/ Thüringen). 380,- ADB X, 81; Kosch VI, 978f. - Seltene Sammlung von 17 Biographien verschiedener Autoren wie Fracastoro, Mauroceno, Nicolaus Faber, Andreas Morosini, Olaus Borrichius, Joh. Vincent Pinelli, Robert Cotton, Johannes Oporinus, Fulvio Orsini u. a. Von besonderem Interesse ist die Lebensbeschreibungen der beiden Frauen Helena Cornara und Cassandra Fidelis. Der Dichter und Gelehrte Christian Gryphius (1649-1706) ist besonders als Autor der „Poetischen Wälder“ bekannt. Seine biographischen Portraits wurden jedoch (seit 1703) mehrfach nachgedruckt und stellen eine wertvolle Quelle für die Rezeption der behandelten Schriftsteller dar. - Nur vereinzelt minimal fleckig, sonst gutes, schön gebundenes Exemplar. 342 H(ennin), M. Histoire numismatique de la Révolution Francaise, ou description raisonnée des médailles, monnaies, et autres monumens numismatiques relatifs aux affaires de la France. Texte et planches en 2 volumes. Paris, Merlin, 1826. Gr- 4°, circa 31 x 25 cm. 2 ff., XX, 705 pp., 1 f.; 2 ff., 95 engraved plates. Contemporary quarter calf, spine with rich decoration, marbled boards and decorated endpapers. 2000,- Barbier II, 821. - Rare first edition complete with all 95 plates showing the coins and medals issued during the French Revolution. Very beautiful copy, bound in 2 volumes, probably from an Austrian aristocrat library, clean and in very decorative bindings. 343 Hertel, J. F. Politische Thee- und Coffe-Tassen vor das delicate Mäulgen der Madame Justiz, mit der gedoppelten Zunge. Oder juristische Streit-Fragen von denen letzten Willens-Verordnungen und Erbschafften. Jena, Marggraf, 1743. 8°. Gestochenes Frontispiz, Titel in Rot und Schwarz, 28 Bll., 570 SS.; 12 Bll., 142 SS., 1 w. Bl. Späterer, marmorierter Pappband. 580,- Erste Ausgabe, nicht bei Hayn-Gotendorf. Satirisches Werk des Professors Johann Friedrich Hertel (1667-1743), der bereits 1739 unter dem Pseudonym Albani de Spinetto das häufigere Werk „Politische Schnupf-Tobacs-Dose“ veröffentlicht hatte. Hier wirft er Fragen aus dem Erbrecht auf und findet die Lösungen jeweils in Tee- oder Kaffeetassen. Dabei: Ob ein Blinder zum Testaments-Zeugen könne gebraucht werden, wie lange ein Testament nach aufgehörter Pest gültig sei, ob ein Huren-Kind das Testament des Vaters anfechten könne etc. - Titel mit kleinem, altem Besitzvermerk, etwas gebräunt oder fleckig. 344 Hexenwesen - (Loschert, Oswald).Vorgängiger Versuch zu Erwürkung eines Vertrages zwischen den in dem bisherigen Hexerey-Kriege verwickelten Gelehrten, Wie auch zum nutzbaren Unterrichte, wie man von der Zauber- und Hexerey weder zu wenig, noch zu viel glauben soll. An dem Maynstrome (Bamberg, Göbhardt), 1767. 4°. 86 SS. Pappe d. Zt. 600,- Crowe 356; Hayn/G. III, 206: “Rar!” - Interessante Zusammenfassung verschiedener Positionen in der Auseinandersetzung um Hexen, ihre Macht, Mittel sie zu bekämpfen oder zu bestrafen etc. - Einband bestoßen und etwas fleckig, Vorderdeckel mit Bibliotheks-Etikett, Titel mit kleinem, altem Besitzvermerk, Spiegel vorne mit kleinem Stempel. hinten in Buntstift nummeriert, gering fleckig oder gebräunt, sonst gutes Exemplar aus einer Adelsbibliothek. 345 Hyperius, Andreas (eigentlich A. Gerhard oder Gheeraerdts). De formandis concionibus sacris, seu de interpretatione scripturarum populari. Libri II. Marburg, Andreas Kolbe, 1553. 8°. 135 num. Bll., 1 Bl., mit Druckermarke. Halb-Leder d. 18. Jh. mit Rückenvergoldung. 900,- VD 16 G 1408; ADB XIII, 491; Herzog-H. VIII, 505: «Die Originaldrucke sind äußerst selten.» -Erste Ausgabe des bedeutenden Werkes zur protestantischen Theologie. Der Autor (1511-1564), nach seiner Heimat Ypern Hyperius genannt, behandelt Fragen des Gottesdienstes und der Auslegung der Bibel, die seiner Meinung nach in jeden Haushalt gehört und täglich auch von Laien studiert werden sollte. «Für die Homiletik der evangelischen Kirche hat er mit seiner Schrift «De formandis...» zuerst Bahn gebrochen» (ADB). - Gut erhalten, wenig gebräunt, nur Titelblatt etwas angestaubt, wenige alte Unterstreichungen. Vorsatz mit altem Besitzvermerk (C. A. A. Fiedler), beiliegend Zettel mit alten Anmerkungen. Der hübsche Einband etwas berieben. 346 Inkunabel -Johannes de Lambsheim. Libellus perutilis de fraternitate sanctissima et Rosario beate marie virginis. (Mainz), Peter Friedberg, 1495. 4°. 26 Bll. (letztes weiss) durchgehend rubriziert und mit roten Initialen. Neuer Lederband. 3800,- HC 9847; BMC I 47; Goff L 30 (nur 1 Exemplar in Amerika!). - Erste Ausgabe der seltenen Inkunabel mit Texten über den Rosenkranz und die ihm gewidmeten Vereinigungen. Erklärt werden die einzelnen Gebete und wie sie gesprochen werden sollen, sowie der Nutzen des Rosenkranzes und seiner Fraternitates. Abgedruckt sind einige Bullen zu deren Gunsten, darunter die vom 8.5.1479 für die Kölner Rosenkranzbruderschaft, die von J. Sprenger gegründet worden war und schon 1481 über 100.000 Mitglieder hatte (vgl. LThK VIII, 990f.). - Schönes Exemplar, nur etwas gebräunt oder leicht fl eckig. Breitrandig, durchgehend rubriziert und mit roten Initialen. 347 Insel-Verlag - Heymel, Alfred Walter. Zwölf Lieder. Leipzig, Insel, 1905. 8°. 44 unpaginierte Seiten mit Doppeltitel und Buchschmuck. Illustrierte Original-Broschur. 220,- Sarkowski 732. - Erste Ausgabe. Eines von 500 Exemplaren. Sehr eleganter, zweifarbiger Druck auf unbeschnittenem Bütten, mit Schmuck von Karl Walser. - Gut erhalten, nur aussen gering angestaubt, unbeschnitten. - Exemplar mit handschriftlicher Widmung von Heymel an Otto Julius Bierbaum „zur Erinnerung an die schönen, alten Münchner Zeiten...“. - Heymel und Bierbaum gaben zusammen die Zeitschrift „Insel“ heraus, in seinem Schlüsselroman „Prinz Kuckuck“ hat Bierbaum Heymel amüsant karikiert. - Schönes Widmungsexemplar aus dem Umkreis der Insel. 348 Jacobi, Friedrich Heinrich. David Hume über den Glauben oder Idealismus und Realismus. Ein Gespräch. Breslau, Loewe, 1787. 8°. IX, 230 (recte 236) SS. Pappband der Zeit mit handschriftl. Rückenschild. 780,- Goed. IV, 1, 691, 15; Adickes 338. - Seltene erste Ausgabe von Jacobis Schrift in Dialogform, die nicht nur ein bedeutendes Beispiel der Rezeption Humes in Deutschland darstellt, sondern auch als eine der wichtigsten, kritischen Reaktionen auf Kants «Kritik der reinen Vernunft» angesehen wird. Der Philosoph, Jurist und Schriftsteller Friedrich Heinrich Jacobi (1743 - 1819) war als Vertreter der Gefühlsphilosophie ein entschiedener Kritiker des Rationalismus, verteidigt sich im vorliegenden Werk aber auch gegen den Vorwurf des Irrationalismus. «Meine Philosophie behauptet keine zwiefache Erkenntniß des würklichen Daseyns, sondern nur eine einfache, durch Empfindung; und schränkt die Vernunft, für sich allein betrachtet, auf das bloße Vermögen Verhältnisse deutlich wahrzunehmen, d. i. den Satz der Identität zu formiren und darnach zu urtheilen, ein.» (Vorbericht). - Einband etwas berieben und angestaubt, Titelblatt mit kleinem Stempel, innen nur gering fleckig. Gutes Exemplar. 349 Kaffee und Tee - Camerarius, Elias. Dissertationes tres exhibentes I. Spirituum animalium statum naturalem, et p. n.occasione exeperimenti Bellino-Bohniani. II. Spiritum D. Boylii fumantem obviaque circa ipsum phaenomena. III. Usumet abusum potuum thee et caffee in his regionibus. Tübingen, Reis für Brunn, 1694. 8°. 8 Bll., 62, 48, 62 SS. Broschur d. Zt. 650,- VD17 7:688932Q; ADB III, 719; Ferguson I, 137. - Seltene erste Ausgabe dieser Sammlung von drei Abhandlungen zu gastronomisch-medizinischen, chemischen und alchemistischen Fragen. Elias Camerarius (1673-1734) war, wie bereits sein Vater, Professor für Medizin in Tübingen und Leibarzt des Herzogs von Württemberg. Er beschreibt hier Experimente, die er mit Ammonium-Sulphit anstellte und gibt seine Erkenntnisse über die Wirkungen von Tee und Kaffee preis. - Etwas gebräunt, wenig fleckig, berieben, ganz unbeschnitten. 350 Kaffee - Kortum, Carl Arnold. Der Kaffe und seine Stellvertreter. Leipzig, Bei Heinrich Büschler in Elberfeld gedruckt, 1809. 8°. 103 SS. Rückenbroschur. 200,- Seltene erste Ausgabe dieser Geschichte des Kaffees in „naturhistorischer, ökonomischer und ärztlicher Hinsicht“ mit besonderer Berücksichtigung seiner Surrogate. Kortum (1745-1824), Arzt in Bochum, ist im Grunde ein Gegner des Kaffees und seiner schädlichen Wirkung für die Gesundheit. Er bemüht sich eine ganze Reihe ersetzender Heissgetränke vorzuschlagen und gibt dabei auch selbst erprobte Rezepte. - Teils fleckig. 351 Kestner, A. Römische Studien. Berlin, Decker, 1850. 4°. 1 lith Portrait-Tafel, XI, 187 SS. Halb-Leinen d. Zt. 180,- Erste Ausgabe dieser Sammlung von Aufsätzen und Erinnerungen an Künstler, Mode, Tanz und Musik in Rom. August Kestner war Vice-Präsident des Archäologischen Instituts in Rom. Aus dem Inhalt: Mode und Ballet, Catalani, die Sängerin, Paganini, der Violinspieler, Rossini, der Opern-Komponist, Thorwaldsen, der Landschaftsmaler Koch, die Gebrüder Riepenhausen, Cornelius und Overbeck u.a. - Gut erhalten, wenig fleckig, teils kleiner Wasserrand oben, gering berieben. 352 (Knigge, Adolph von; pseud.:) Joseph von Wurmbrand. Politisches Glaubensbekenntniß, mit Hinsicht auf die französ. Revolution u. deren Folgen.Frankfurt und Leipzig, (Helwig), 1792. 8°. VIII, 1 Bl., 173 SS. Halb-Leder d. Zt. mit Rückenschild. 690,- Goed. IV1, 617, 25; Knigge 40.01; Wolfstieg 41535. - Erste Ausgabe der wichtigsten Revolutionsschrift Knigges, die ihn zu einem der führenden jakobinischen Autoren in Deutschland werden ließ. Über die Kritik des Werkes kam es zu einem langwierigen Prozeß in Hannover, der mit der Verurteilung des hannoverschen Leibarztes und Hofrates Zimmermann zu Abbitte und Ehrenerklärung endete, die ihm Knigge jedoch schenkte. Er selbst hatte das Werk nicht der Zensur vorgelegt und erhielt einen strengen Verweis, während sein Verleger zu einer hohen Geldstrafe verurteilt wurde. - Leicht gebräunt oder fleckig, kleines Loch im vorderen Vorsatz; hübsch gebunden. 353 Laudon - Pezzl, Johann. Loudon’s Lebensgeschichte. Wien, Degen, 1791. 8°. Gestochenes Portrait, 342 SS., 1 w. Bl., Titel mit gest. Vignette. Pappe d. Zt. mit Rückenschild. 200,- Gugitz, Pezzl, 205; Wurzbach XVI, 81 und XXII, 161. - Erste Separatausgabe dieser Biographie des großen österreichischen Feldherren Loudon (auch Laudon, 1719-90), der mehrfach erfolgreich gegen die Türken kämpfte und die Preussen in Kunersdorf besiegte. Mit einem schönen Portrait von Weinrauch und einer gestochenen Vignette von Adam. - Gut erhalten, kaum gebräunt, Titel mit kleinem, privatem Stempel, etwas berieben. 354 Lausitz - Leisentritt, Johann. Cursus piarum quarundam, vereque evangelicarum precum... praefixum est una cum Horoscopo novum Calendarium... ProClericis pariter & incolis utriusque Lusatiae... Bautzen, Johann Wolrab, 1571. 8°. 8 Bll., 312 SS., 8 Bll., teils in Rot und Schwarz, mit 10 teils ganzseitigen Holzschnitten. Leder d. Zt. mit Goldfileten und floralen Medaillons auf den Deckeln, Goldschnitt. 1500,- VD 16 L 1058; ADB XVIII, 221f. Seltenes, sehr schön ausgestattetes katholisches Gebetbuch für den Gebrauch in der Lausitz, mit einem rotschwarz gedruckten Kalender und einem Anhang über die Messe. Leisentritt (1527-1586) war Generalkommissar der Ober- und Niederlausitz und päpstlicher Administrator. Durch seine geschickte Kirchenpolitik erreichte er, dass dieses Gebiet weitgehend katholisch blieb. Berühmt ist seine Sammlung “Geistlicher Lieder”, die erstmals 1567 ebenfalls mit großer Sorgfalt und schönen Illustrationen gedruckt wurde. - Das vorliegende Exemplar offenbar in einem zeitgenössischen französischen Kalbsledereinband mit Deckelvergoldung. Rücken sehr geschickt erneuert. - Schönes Exemplar, leicht gebräunt, wenig fleckig, dekorativ gebunden. 355 Lempertz, Heinrich. Beiträge zur ältern Geschichte der Buchdruck- und Holzschneidekunst. Erstes Heft (alles Erschienene). Zweite vermehrte Auflage. Köln, Renard, „gedruckt bei Antiquar J. M. Heberle“, 1839. 4°. 14 Blatt mit vielen Abbildungen in Rot, Gelb und Schwarz, Titel als Quodlibet in Farben. Bedruckter Original-Pappband (mit Leinenstreifen über Rücken). 180,- Krieg, MNE I, 416; NDB XIV, 192 f. Sehr aufwendig ausgestattete Dokumentation besonders über Druckermarken. Erstmals 1838 in nur 30 Exemplaren unter dem Titel „Bibliographische und xylographische Versuche“ erschienen. Die Jugendarbeit des bekannten Kölner Antiquars enthält Untersuchungen über Ulrich Zell, Erhard Reuwich, Marken italienischer Frühdrucker sowie einen umfangreichen Aufsatz über die „erste zu Köln gedruckte niederdeutsche Bibel“. Sehr eindrucksvolles Frontispiz, das wie eine Kollage aus Druckermarken aussieht. - Gut erhalten, nur gering gebräunt, Vorsatz mit zwei älteren Exlibris und einem prominenten Provenienz-Stempel. 357 Locke, John. Versuch über den menschlichen Verstand aus dem Englischen übersetzt mit einigen Anmerkungen und einer Abhandlung über den Empirismus in der Philosophie von Wilhelm Gottlieb Tennemann. 3 Bände. Jena, Akademisches Leseinstitut, 1795-97. 8°. XLVIII, 536 SS.; 2 Bll., 531 SS.; VI, 1 Bll., 488 SS. Pappbände d. Zt. 550,- Seltene erste Ausgabe dieser neuen, präziseren und näher am Original gehaltenen Übersetzung. Das interessante Vorwort gibt eine allgemeine Darstellung der Philosophie Lockes, die auch mit neueren Schulen in Beziehung gesetzt wird. „Locke hatte denselben Zweck als Kant. Er wollte den Inhalt und Umfang des menschlichen Verstandes bestimmen“ (S. VI). Tennemanns Abhandlung über den Empirismus findet sich auf den Seiten 423-470 des dritten Bandes. - Titel mit Bibliotheksstempel und -Nummer. Papierbedingt etwas gebräunt, sonst innen gut, Einbände berieben und bestoßen, jedoch solide. 358 Mainz 1793 - Die Belagerung der Stadt Mainz durch die Franzosen im Jahr 1792 und ihre Wiedereroberung durch die teutschen Truppen im Jahr 1793. Mainz, Johann Peter Fischer1, 1793. 8°. 286 SS. Pappe d. Zt. mit goldgeprägtem Rückenschild. 450,- Seltene, erste Ausgabe dieser umfangreichen und mit vielen Akten und Briefen reich dokumentierten Darstellung der Ereignisse in Mainz während des Ersten Koalitionskrieges, nachdem die Stadt 1792 von französischen Truppen besetzt und von den Jakobinern um Georg Forster die Mainzer Republik gegründet worden war. Die Ereignisse um die Belagerung finden sich auch von Goethe in einem fiktiven Tagebuch dargestellt. Die vorliegende Schrift wird entweder Daniel Dumont oder Johann K. Müller zugeschrieben. - Gut erhalten, Vorsatz mit Besitzvermerk von 1794 („Frid. Aug. von Schütz“). 359 Müffling, F. C. F. von (gen. Weiß). Aus meinem Leben. Zwei Theile in einem Band. Berlin, Mittler, 1851. 8°. XII, 403 SS., 1 Bl. Leinen d. Zt. mit Rückenvergoldung. 240,ADB 22, 454. Erste Ausgabe, posthum vom Sohn Eduard von Müffling herausgegeben. Die Memoiren des preussischen Generalfeldmarschall Müffling (1775-1851) behandeln zunächst die Befreiungskriege gegen Napoleon und dann im zweiten, umfangreicheren Teil, die Reise und diplomatische Mission nach Konstantinopel mit eingehenden Schilderungen des türkischen Reiches, der Politik der Pforte, der griechischen Frage etc. Ein Anhang behandelt noch das Zusammentreffen mit der türkischen Gesandschaft in Petersburg. - Gut erhalten, etwas gebräunt oder vereinzelt fleckig. 360 Napoleon - (Doris de Bourges, Charles). Die geheimen Liebschaften desKaisers Napoleon und seiner vier Brüder. Aus dem Französischen des Barons v. B. 2 Bände. Ilmenau, Voigt, 1823. 8°. Titel, 195 SS., 1 Bl.; Titel, 257 SS. Pappe d. Zt. 200,- Hayn-G. V, 305. - Deutsche Übersetzung des romanhaften Berichtes (teils eines Ich-Erzählers) über die amourösen Abenteuer der Brüder Bonaparte, französisch 1815 unter dem Titel «Amours secrettes de Napoléon Buonaparte» erschienen. Charles Doris ist der Verfasser mehrerer, sehr kritischer Schriften gegen Napoleon; am bekanntesten ist sein Werk «Geheime Nachrichten...». -Etwas gebräunt, teils fleckig. Exemplar einer Adelsbibliothek, Titel mit alten Besitzvermerken. 362 Planeten-Buch - Das Grosse Planeten-Buch Welches Aus dem Platone, Ptolomeo, Hali, Albumasar, Barlaam und Johanne Königsperger, auffs kürtzeste und fleißigste zusammen gezogen. Benebenst der Geomancia, Physiognomia undChiromantia, wie auch der alten Weiber Philosophia und kleiner Cosmographia...Leipzig, Kloß, 1695. 8°. Gest. Frontispiz,8 Bll., 524 SS., mit vielen Holzschnitten im Text und 12 Kupfer-Tafeln. Pergament d. Zt. 950,- VD17 39:141070X; vgl. Zinner 4775, Ritter 1879 u. Rosenthal, Bibl. mag. et pneum. 3492. - Spätere, aber besonders reich illustrierte Ausgabe des beliebten Planetenbuches, einer Kompilation aus Platon, Ptolemaios, Albumasar, Barlaam und Regiomontanus mit zahlreichen Exkursen zu okkulten Wisenschaften. Die Holzschnitte zeigen Sternbilder, Illustrationen zur Physiognomie, Handlesekunst etc. Als Autor bzw. Bearbeiter wird meist S. Brenner (Prenner) genannt. -Papierbedingt gebräunt oder etwas fleckig, Einband angestaubt, sonst gut erhalten. Vorsatz mit Besitzvermerk und schönem, gestochenem Wappen-Exlibris des Jacob Bernus. 363 Polen - Kaulfuss, J. S. Über den Geist der polnischen Sprache. Eine Einleitung in die polnische Literär-Geschichte für Deutsche. Halle, Schimmelpfennig, 1804. 8°. 227 SS., 2 gefaltete Notentafeln. Halb-Leder d. Zt. mit Rückenvergoldung. 160,- Erste Ausgabe dieser Einführung in die polnische Literatur mit vielen Beispielen im polnischen Original. Johann Samuel Kaulfuss lehrte Geschichte am Gymnasium in Posen. Seine Darstellung zeugt von einer großen Liebe für die polnische Sprache und Kultur, die er seinen Landsleuten vermitteln möchte. Er meint, zahlreiche Vorurteile beruhten nur auf der Unkenntnis des Polnischen, dessen Reichtum, „Bildsamkeit“ und „Energie“ er hier illustrieren möchte. Die Einleitung gibt einen interessanten Überblick über die Beschäftigung mit der polnischen Sprache in Deutschland und kommentiert einige Lehrbücher. Die Notentafeln geben Arien aus der Oper Krakowiacy. - Etwas gebräunt, teils fl eckig. Berieben und bestoßen. 364 Pommern - Pommersches Krämerdütchen. Erstes Pakt. Hefte 1-13. Stralsund, Christian Lorenz Struck, 1775. 8°. 4 Bll., 208 SS. Pappband um 1900. 340,- Sehr seltene Zeitschrift aus Pommern, die nur bis zum September des Jahres 1775 wöchentlich erschien. Hier der erste Band komplett mit den Heften vom 5. Januar bis zum 30. März. Die moralphilosophischen, meist satirischen Beiträge sind anonym, stammen aber wohl von dem Rektor der Greifswalder Stadtschule und späteren Theologieprofessor Theophilus Coelestinus Piper. Beteiligt soll auch Johann Carl Dähnert, Leiter der Universitätsbibliothek in Greifswald, gewesen sein. Eine vernichtende Rezension erhielt das kurzlebige Unternehmen von dem Aufklärer Friedrich Nicolai, der in seiner Allgemeinen Deutschen Bibliothek schrieb: „…eine Broschüre, die ohne Fleiß, Sorgfalt, fast möchte man sagen, ohne Absicht und ohne Gedanken geschrieben ist.“ (zitiert nach: Ernst Zunker: Das „Pommersche Krämerdütchen“. Zugleich ein Beispiel für die engen Kulturbeziehungen zwischen Stralsund und Greifswald. In: Baltische Studien. Bd. 50, S. 47-52. Kiel, 1964.). - Sehr selten, nach KVK nur zwei Nachweise für wenige Stücke. - Gut erhalten, wenig gebräunt, etwas berieben, ganz unbeschnitten. 365 (Prévost d´Exiles, A.-F.). Philosophische Feld-Züge, oder Geschichte des Herrn von Montcal... Worin so wohl dessen merckwürdige Liebes-Händel undungemeine Glücks- und Unglücks-Fälle,Als auch die Begebenheiten des Irrländischen Krieges enthalten. Aus dem Französischen übersetzt. Frankfurt u. Leipzig,Knoche, 1744. 8°. 2 Bll., 684 SS. Pappband um 1900. 450,- Fromm 20707; Weber-M. 141; Hayn-G. II, 247. - Seltene erste deutsche Ausgabe des wohl auf historischen Ereignissen basierenden Romanes «Campagnes philosophiques ou Mémoires de M. de Montcal...» von Prévost, der mehrere Bücher von Samuel Richardson übersetzte und auch eigene Werke schrieb, die in Großbritannien spielen. Bis heute berühmt ist er für seine «Manon Lescaut». Das vorliegende Werk behandelt die militärischen und amourösen Abenteuer des Herrn de Montcal, Adjutanten des in britischen Diensten stehenden Generals (Friedrich Graf) von Schomberg, der 1689 erfolgreich gegen eine zahlenmässige Übermacht in Irland kämpfte. Claire-Eliane Engel hat den historischen Montcal in ihrem Werk «Figures et aventures du XVII-Ie siècle...» (Paris 1939) identifiziert, man kann jedoch davon ausgehen, dass Prévost als Soldat und Freund amouröser Abenteuer, eigene Erfahrungen in die Geschichte einfließen ließ. - Titel mit altem Besitzvermerk. Gebräunt, teils fleckig. 366 Prokesch-Osten, (Anton) Graf von. Mein Verhältniss zum Herzog von Reichstadt. Zwei Sendungen nach Italien. Selbstbiographische Aufsätze aus dem Nachlass des Grafen Prokesch-Osten. Stuttgart, Spemann, 1878. Gr- 8°. VII, 240 SS. Halb-Leinen d. Zt. 180,- Erste Ausgabe dieser wichtigen Quelle zu dem kurzen Leben des Napoleon Franz Joseph Karl Bonaparte (1811-1832), dem ersten legitimen männlichen Nachkommen Napoléon Bonapartes und seiner zweiten Ehefrau Marie-Louise von Österreich. Der Diplomat und General Anton von Prokesch-Osten wurde 1831 Chef des Generalstabs der österreichischen Armee in Bologna. Seine Memoiren aus dieser Zeit sind hier von seinem Sohn aus dem Nachlass herausgegeben. -Wenig gebräunt, Einband etwas berieben und am oberen Kapital mit unauffälliger Platzstelle, jedoch solide. Sonst gut erhalten. 367 Räuber, Mörder, Gefängnisse - Schmid, L. C. G.(Hrsg.). Nachrichten von den Lebensumständen einiger merkwürdigen Zuchthausgefangenen, gemeinnützig bearbeitet und herausgegeben. Leipzig, Georg Emanuel Beer, 1797. 8°. 6 Bll., 307 SS. Pappe d. Zt. 240,- Erste Ausgabe dieser 24 ausführlichen Biographien von Zuchthäuslern (darunter 5 Frauen) mit detaillierten, oft anschaulich und spannend erzählten Berichten ihrer Missetaten: Betrug, Mord, Diebstahl, Einbruch, Raubüberfall etc.. -Gebräunt, teils fl eckig, berieben. 368 --Müller, Johann Nepomuk. Erbauungsbuch für Gefangene in Strafanstalten. 2 in 1 Band. Freiburg i.Br., Herder, 1833. 8°. X, 1 Bl., 344 SS.; VI, 296 SS., 1 Bl. Halb-Leder d. Zt. 220,- Erste Ausgabe dieser umfangreichen Anthologie von Texten, die speziell für Gefängnisinsassen zusammengestellt sind und diese nach ihrer Entlassung auf den rechten Weg zurückweisen sollen. Besonders interessant ist der erste Band mit “Erzählungen aus dem Leben verirrter, unglücklicher Menschen”, der zahlreiche Kriminalgeschichten versammelt, darunter: Der Dieb und der Bär, Der Mörder und der Finke, Der blutige Stein, Ein Mörder, im Traume sich verratend, Ein Totenkopf entdeckt Verbechen, Das Mädchen in Berlin etc. - Wenig fleckig, etwas berieben, sonst gut erhalten. 369 --Tellkampf, Johann Ludwig und Theodor. Über die Besserungsgefängnisse in Nordamerika und England. Nach eigenen Beobachtungen in den Jahren 1838 bis 1843. Nebst Bemerkungen über den Gesundheitszustand der Sträfl inge in den obigen Anstalten. Berlin, Rücker & Püchler, 1844. 8°. 4 Bll., 267 SS., mit 5 Falttafeln. Leder d. Zt. mit reicher blindgeprägter und vergoldeter Ornamentik auf Rücken und beiden Deckeln sowie 3seitigem Goldschnitt. 800,- Besonders aufwendig gebundenes Exemplar der ersten Ausgabe dieser seltenen Untersuchung des nordamerikanischen und englischen Gefängniswesens. Der preußische Nationalökonom und Politiker Johann Louis Tellkampf (1808 - 1876) emigrierte 1838 infolge des hannoverschen Verfassungsbruches durch König Ernst August nach Amerika und war dort Professor der Staatswissenschaften am Union College und am Columbia College in New York. 1846 wurde er zum Professor der Nationalökonomie an der Universität Breslau ernannt und studierte als Berater der preußischen Regierung für eine beabsichtigte Gefängnisreform der Strafanstalten in England, Frankreich und Nordamerika. Sein Bericht umfasst sowohl die baulichen und organisatorischen Strukturen der untersuchten Einrichtungen, als auch Analysen zur Wirkung des Strafvollzugs auf die Häftlinge. Die medizinischen Untersuchungen stammen von Tellkampfs Bruder Theodor, der als Arzt in Cincinnati praktizierte. - Die Falttafeln zeigen Grundrisse und Pläne verschiedener Gefängnisse sowie eine „Tabellarische Übersicht aller Geisteskrankheiten, welche im Staatsgefängnis bei Philadelphia ... vorgekommen sind“. - Leicht berieben, Kapitale mit kleinem gut geklebtem Riss, vereinzelt minimal fleckig. Schönes, sauberes Exemplar in prächtigem Einband. 370 --Zachariä, H. A. (Hg.). Geschichtserzählungen aus Criminal-Acten nebst einigen Urtheilen mit Entscheidungsgründen, zum Zweck der Benutzung bei einem Criminal-Practicum. Göttingen, Dieterich, 1835. 8°. VIII, 131 SS. Pappe d. Zt. mit Rückenschild. 150,Einzige Ausgabe dieser interessanten Sammlung von Kriminalfällen, die hier mit den Biographien der Straftäter und einer Schilderung des Hergangs sowie der Überführung gesammelt sind. - Der Jurist und Politiker Heinrich Albert Zachariä (1806 - 1875 in Cannstatt) war Professor und später Prorektor an der Göttinger Universität. Er war Mitherausgeber des „Archivs für Kriminalrecht“ und der „Kritischen Zeitschrift für Gesetzgebung und Rechtswissenschaft des Auslandes“. - Exemplar des „Reichsführer SS Hauptamt“ mit den entsprechenden Stempeln auf Vorsatz und erster Seite. - Einband teils stärker berieben und bestoßen, Deckel und die ersten Blätter mit Knickspur, Vorsatz mit altem Besitzvermerk, leicht gebräunt, sonst innen sauber und gut erhalten. Interessante Provenienz. 371 Rémusat, J. P. Abel. Essai sur la langue et la littérature chinoises. Paris, Treuttel u. Würtz, 1811. 8°. Frontispiz, Titel, X, 160 pp., 4 gefaltete Tafeln. Halb-Leder um 1860 mit Rückenvergoldung. 1800,- Cordier 1712; Lust 1002; Lehner (2004), 70f. - Seltene erste Ausgabe, „avec cinq Planches, contenant des Textes Chinois, accompagnés de traductions, de remarques et d‘un commentaire littéraire et grammatical. Suivi de Notes et d‘une Table alphabétique des mots chinois“. Jean-Pierre Remusat (1788-1832) gilt als der Begründer der Studien des Chinesischen im Westen. Er brachte sich die chinesische Sprache durch ein fünfjähriges Selbststudium bei und veröffentlichte das vorliegende Buch im Alter von 23 Jahren. 1814 wurde er Professor am Collège de France mit einem eigens für ihn eingerichteten Lehrstuhl. - Papierbedingt gebräunt oder etwas fl eckig, berieben. 372 Riesbeck, Johann Caspar. Briefe eines Reisenden Franzosen über Deutschland an seinen Bruder zu Paris. Übersetzt von K. R. Zweyte, beträchtlich verbesserte Ausgabe. 2 Bände. Ohne Ort und Drucker, (Zürich, Orell u.a.), 1784. 8°. 430 SS.; 406 SS., 1 Bl. Leder d. Zt. mit Rückenprägung und zwei vergoldeten Rschildern. 320,- Hayn-Got. I, 463; Griep/Luber 1169. - Erweiterte Fassung der sehr erfolgreichen satirischen Reisebeschreibung, die fingiert deutsche Zustände von außen, wie von einem Franzosen gesehen, schildert. “Als die ‘Briefe eines Reisenden Franzosen’ 1783 anonym in Zürich erschienen, konnte Riesbeck kaum ahnen, welche Sensation sie auf dem europäischen Büchermarkt auslösen sollten. Hochaktuell, allen Zeitproblemen Rechnung tragend, hier und da etwas frivol, stark tendenzbetont und leidenschaftlich, nicht ohne Pikanterie, übersetzt mit Anekdoten und ganz à la française geschrieben, wurden sie überall gelesen, viel diskutiert, ebenso entrüstet abgelehnt wie begeistert gepriesen” (W. Gerlach). Der jungverstorbene Riesbeck (1754 - 1786), der die beschriebenen Orte tatsächlich besucht hatte, urteilt über Industrie, Armenwesen, Literatur und Theater, er beschreibt das gesellschaftliche und kulturelle Leben in Wien, Berlin, München, Prag, Hamburg usw. - Weiße Vorsätze mit altem Besitzvermerk und kleinem Abschnitt, davor hübsche Buntpapier-Vorsätze, wenig fleckig, etwas berieben, ein Schild mit kleiner Absplitterung ein Gelenk unten mit kleiner Platzstelle, jedoch solide. Insgesamt schön und dekorativ. 373 Selbstmord - Arenswald, (G. G. E.). Authentische Briefe des Hauptmanns von Arenswald der sich am 29sten Septembr. 1781. erschoß, nebst der Geschichte seines Todes mit Anmerkungen herausgegeben. Frankfurt u. Leipzig, ohne Drucker, 1782. 8°. 56 SS., mit Titelvignette. Rückenbroschur. 150,- Holzmann/B. I, 7898. - Erste Ausgabe, besorgt von Carl Gottfried Küttner. Der aufsehenerregende Freitod des Dresdner Hauptmanns Arenswald wird in der Einleitung zwar als heroische Tat präsentiert, mit der ein Adliger seinen Ehrvelust habe abwenden wollen. Tatsächlich jedoch spricht aus den Abschiedsbriefen des Hauptmanns eine Adelskritik, die auch von den Lesern so verstanden und später von Kritikern der Gesellschaft aufgegriffen wurde (vgl. Florian Kühnle in: Verbrechen wider Gott. Aspekte religiöser Devianz in der Frühen Neuzeit. Münster 2010). -Wenig gebräunt, kaum fleckig, Titel mit altem Sammlerstempel, sonst gut erhalten. 369 Tellkampf 374 Singer - Phillips, Georg (Hg.). P. Peter Singer‘s Metaphysische Blicke in dieTonwelt, nebst einem dadurch veranlaßten neuen System der Tonwissenschaft. München, Literarisch-artistische Anstalt, 1847. 8°. VIII, 224 SS., mit Noten im Text und 3 gefalteten Notentafeln. NeueresHalb-Leinen. 130,- Poggendorff III, 1252. - Singer (1810 - 1882) gilt als Begründer der sogenannten Franziskanermusik, 1845 erfand er das Pansymphonikum. Schneider bemerkt in seiner „Geschichte der Musik in Salzburg“ (S. 179f.): „...hier wird Singer derart fortschrittlich, daß man ihn recht als DEN Musiktheoretiker der Wagnerzeit bezeichnen könnte“. - Nur zu Beginn etwas fl eckig, sonst meist sehr frisch, hübsch gebunden. Mit den 3 seltenen, gefalteten Tafeln am Schluss. 375 Tabak - Der Tobackbau in Bayern oder praktische Anleitung zum Tobackbaue in Fragen und Antworten zum Unterrichte der Landwirthe. Amtlich bekannt gemacht. München, 1832. 8°. 48 SS. Neuerer Buntpapier-Umschlag. 100,- Seltene, umfassende Schrift zum Tabakbau in Bayern, mit einer Beschreibung aller angebauten Arten (deutscher Bauern-Tabak, Pfälzer-Tabak, Ungarischer Sperbel-Tabak, Virginia-Tabak, Maryland-Tabak) und den Methoden zur Optimierung und Veredelung etc. - Etwas fl eckig oder gebräunt. 376 Uniformen Bayern -Taschenbuch für Bayerns Landwehr enthaltend eine kurze pragmatische Geschichte der Bürgerbewaffnung von ihrer Entstehung an bis auf unsere Zeit. Nürnberg, Bäumler, 1842. 8°. Gest. Portrait, 264 SS., 8 kolorierte Kupfertafeln. Blauer illustrierter Original-Pappband mit Stichen auf den Deckeln. 680,- Vgl. Lentner 9526. - Etwas veränderte zweite Ausgabe in bemerkenswert schöner Ausstattung. Die Tafeln zeigen uniformierte Soldaten, mehrfach vor der Stadt Nürnberg, dabei Volontairscorps in Nürnberg 1803, königl. Bayr. Landwehr 1807 und 1813-1821, Artilleristen und Grenadiere um 1840 etc. Mit dem seltenen, hübschen Original-Einband. - Schönes Exemplar, nur geringfügig fleckig. Tafeln in leuchtendem Kolorit, Einband frisch. 377 Venedig - Giannotti, D. Respublica Venetum. Der grossen Commun, der Statt Venedig, ursprung, erbawung und aufnemung. Ihrer Herrschaft, Erweiterung, Regiment, Ordnung und Rüstung... Aus Italianischer sprach verteutscht. Neuburg Donau, Hans Kilian, 1557. Folio, circa 29,7 x 20,7 cm. 84 Vll., mit halbseit. Holzschnitt-Ansicht, 2 ganzs. Holzschnitten im Text (Wappen u. Ratssaal) u. Druckermarke. Halb-Pergament um 1900. 2200,- VD 16, G 1952. - Erste deutsche Ausgabe dieses typographisch sehr bemerkenswerten, eleganten Druckes des Neuburger Erstdruckers Kilian, dessen Offizin um 1544 gegründet wurde, dann aber wegen der Ereignisse des schmalkaldischen Krieges von 1546 bis 1556 ruhte und 1557 endgültig ihre Tätigkeit einstellte. Die tatsächliche Aktivität beschränkt sich auf nur 3 Jahre, für die Schottenloher 22 offenbar seltene und in nur kleinen Auflagen gedruckte Titel nachweisen kann. Das vorliegende Werk ist in der von Benzing besonders hervorgehobenen Schnörkelschrift gedruckt. Giannottis Hauptwerk, zuerst 1540 erschienen, “gibt nicht nur eine Beschreibung der venezianischen Verfassungsinstitutionen, sondern weist auch deren Enstehung historisch nach” (Fueter 58). Mit einer schönen, detailreichen Ansicht Venedigs auf dem Titelblatt. - Gut erhalten, etwas stockfleckig, teils nur kleine Wasserrändchen. Titel mit unauffälligem, kleinem Randausriss durch entfernten Blattweiser, nur die ersten und letzten Blätter etwas stärker fleckig, sonst gut. 379 Wein - Handbuch des praktischenWeinkellermeisters, zum nützlichen Gebrauch aller derjenigen, welche mit der Weinmanipulazion sich beschäftigen, und sich diesem Geschäfte widmen wollen. Zweyte verbesserte Aufl age. Wien, ohne Drucker, 1790. 8°. 72 SS., mit figürlicher Titelvignette. Pappe d. Zt. 300,- Schoene 3, 11053. - Sehr seltene zweite, überarbeitete Auflage des erstmals im selben Jahr mit jedoch anderen Druckorten erschienenen Werkes. Behandelt die Einrichtung eines Weinkellers und Behandlung der Fässer, Methoden „kranken“ Wein zu verbessern, Ratschläge für die Haltbarmachung, Anleitung für die Herstellung von Wermuth und Weinessig etc. - Nach KVK nur ein Exemplar der ersten Auflage und keines der zweiten in deutschen Bibliotheken. - Etwas Hennin-Cook-Lausitz-Agrippa-Alciati gebräunt oder fleckig und berieben, insgesamt gut erhalten. 380 Zimmermann, E. A. W. von (Hg.). Almanach der Reisen oder unterhaltende Darstellung der Entdeckungen des 18tenJahrhunderts in Rücksicht der Länder, Menschen und Productenkunde. Jahrgänge I-IX, XI und XII, 2. Abteilung der Reihe in 14 Bänden. Leipzig, Fleischer, 1802-13. Kl-8°. Je Band ca. 300 SS., mit 14 gest. Titeln, 153 (80 gefalt., 1 kolor.) Kupfertafeln, 9 (1 grenzkolor.) Kupferstichkarten und gefalt. gest. Plan. Leder d.Zt. mit Rückenschild und Rückenvergoldung und Original-Pappbände. 1600,- Köhring 143; Lanckoronska-R. 143; Marwinski 695; Aschoff 2118; Sabin 106341; Alt-Japan-Kat. 1623. - Erste Ausgabe. Reizende Almanache, die ab dem zweiten Jahrgang unter dem Titel „Taschenbuch“ erschienen. Enthalten sind 153 Kupfertafeln mit detailreichen Darstellungen von Landschaften, Tieren und Pfl anzen, Gebäuden, Trachten und Alltagsszenen; zudem Karten zu Nord- und Südamerika, Kanada, Sibirien, Indien, China und Japan. - 11 Bände in geflammtem Kalbsleder mit rotem Rückenschild und Buntpapier-Vorsätzen, 3 Bände im originalen Papp-Einband mit Deckelprägung. Eine der gefalteten Tafeln des dritten Jahrgangs fachmännisch restauriert, einige Tafeln mit geringem Abklatsch oder Knickspuren in den äußeren weißen Rändern. -Schöne, saubere Exemplare, nur leicht berieben, mit kleinen, alten Signaturschildchen (Schloss Tegernsee). Sehr dekorativ gebundene Reihe mit bedeutender Adelsprovenienz.
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